Zur Gartenbauaustellung am Elbhang wurden auch zahlreiche Pavillons mit Bewirtung gebaut. Sie wurden nach dem Ende der Schau wieder abgerissen. foto: Altonaer Stadtarchiv

VOLKER STAHL, ALTONA

„Das ist durchaus eine Archivalie erster Ordnung.“ Wolfgang Vacano äußert sich begeistert über ein Kleinod in der umfangreichen Sammlung des Altonaer Stadtarchivs: eine Dauerkarte aus Leder als Eintritt zur Altonaer Gartenbauaustellung 1914.

Die Schau wurde am 15. Mai 1914 eröffnet. Etwa in Höhe von Fischers und Eggers Allee entstand am Elbhang eine große Ausstellung mit Pflanzen und Blumen. Außerdem wurden zahlreiche Pavillons gebaut, unter anderem mit einem bayrischen Bierlokal und sogar einer stilechten „amerikanischen Bar“. Bis heute erinnern Treppenanlagen im Donners Park sowie eine Gedenktafel am ehemaligen Verwaltungsgebäude der Gartenschau an dieses Ereignis.

Anlass der aufwendigen Ausstellung war das 250-jährige Stadtjubiläum Altonas. „Mit den Einnahmen aus der Gartenbauaustellung wollte man den späteren Volkspark finanzieren“, so Archivar Vacano. Organisator der Veranstaltung war Ferdinand Tutenberg (1874-1956), der am 1. April 1913 zum Gartendirektor in der Stadt Altona ernannt wurde. Vacano: „Die Gartenbauaustellung bot aber auch die Gelegenheit, sich in Konkurrenz zu Hamburg zu profilieren.

Der Erste Weltkrieg brachte der Schau ein Minus

Die Blumenpräsentation war ein nationales Ereignis, stattete doch am 21. Juni 1914 Kaiser Wilhelm II der Veranstaltung einen Besuch ab. Die Kaisergattin, Auguste Viktoria, hatte die Schirmherrschaft übernommen. Der Kaiser, der in einer weißen Admiralsuniform erschienen war, ernannte Tutenberg gar zum königlich-preußischen Gartendirektor.

Das Leitbild der Ausstellung ging konform mit den Vorstellungen der wilhelminischen Ära. In Abgrenzung zur schnell wachsenden Industrialisierung mit ihren Mietskasernen und elenden Wohnquartieren wurde nunmehr die Nähe zur Natur propagiert. Überall entstanden im Rahmen dieser Reformbewegung Parks für die Bevölkerung, wie eben der Altonaer Volkspark unter der Regie Tutenbergs. Die Ausstellung mit zwei Millionen Besuchern gilt hingegen als finanzieller Misserfolg.

Denn der Kriegsausbruch am 1. August 1914 mit der bald einsetzenden Ernüchterung dämpfte die Begeisterung für das Altonaer Garten-Event, das im Oktober des Jahres zu Ende ging. Damals ahnte wohl noch kaum jemand, dass vier Jahre später der Kaiser ins holländische Exil flüchten würde.

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