Vermutlich um 1900 entstand diese Postkarte der Allee, Ecke Holstenstraße. Im Hintergrund sieht man die St. Johanniskirche. foto: Altonaer Stadtarchiv

Volker Stahl, Altona

Sie durchschneidet Altona von der Palmaille bis zum Schanzenviertel und ist kürzlich bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Wegen der hohen Schadstoffbelastung wurden Fahrverbote für bestimmte Diesel-Stinker auf der Max-Brauer-Allee eingeführt.

Doch es gab einmal eine Zeit, als lediglich abgasfreie Pferdefuhrwerke die „Allee“, wie sie noch bis 1975 hieß, benutzten und man relativ gefahrlos auf ihr flanieren konnte. Wolfgang Vacano, Leiter des Altonaer Stadtarchivs, hat der Max-Brauer-Allee ein ganzes Buch gewidmet, mit vielen historischen Fotos und Bildern, auch mit eigenen Aufnahmen. „Wenn wir es nicht tun, macht es keiner“, lautet seine Philosophie. Er denkt dabei an kommende Generationen, die wissen wollen, wie ihre Vorfahren gelebt haben.

Eingezwängt zwischen
Hamburg und Ottensen

Die Allee, wie sie rund 130 Jahre hieß, entstand Mitte des 19. Jahrhunderts, etwa um 1844. In Höhe des alten Altonaer Bahnhofs, dem heutigen Bezirks-Rathaus, hieß die Verkehrsverbindung anfangs noch Bahnhofstraße, wie aus alten Stadtplänen hervorgeht. „Die Ursprünge der Allee liegen etwas im Dunkeln“, räumt Vacano ein, „denn durch den Krieg wurden viele Dokumente zerstört.“ Die Allee wurde erst relativ spät angelegt, weiß der Archivar und verweist auf eine alte Karte von 1650, in der bereits die Palmaille, die Große Bergstraße und die Königstraße verzeichnet sind.

„Die Allee markiert heute die Grenze zwischen Altona-Altstadt und Altona-Nord“, erläutert Vacano. Das Problem der Altonaer Stadtväter bestand darin, dass die Stadt zwischen Hamburg und Ottensen „eingeklemmt“ war und sich in diese Richtungen nicht ausdehnen konnte. Blieb also nur eine Erweiterung nach Norden. Erst mit der Bildung von „Groß-Altona“ 1927 unter dem damaligen Bürgermeister Max Brauer (1887-1973) kamen auch Ottensen sowie weitere Dörfer unter die Fittiche von Altona, das damals noch zu Preußen gehörte.

Max Brauer (SPD), 1946 Hamburgs erster frei gewählter Bürgermeister nach der Nazi-Herrschaft, gab der Allee dann 1975 zwei Jahre nach seinem Tod ihren endgültigen Namen. Doch vieles erinnert auch heute noch an die Zeit der „namenlosen“ Allee, wie etwa das Gymnasium Allee, 1905 noch gegründet als Höhere Töchterschule.
Das Buch mit dem Titel „Max-Brauer-Allee – ein Altonaer Straßenschicksal“ gibt es nicht im Buchhandel und muss im Altonaer Stadtarchiv bestellt werden. Preis: circa 40 Euro.

❱❱ Altonaer Stadtarchiv,
Max-Brauer-Allee 134,
(über Seiteneingang Hospitalstraße), Tel. 50 74 72 24
kontakt@altonaer-stadtarchiv.de
www.altonaer-stadtarchiv.com
mo-fr 10-16 Uhr (nur nach Voranmeldung)
Leiter und Ansprechpartner: Wolfgang Vacano

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