SuedKultur-Sprecher Heiko Langanke. Foto: archiv

Knapp 60 Harburger Musiker haben ein Problem: Ihnen wurden jetzt die Probenräume in der ehemaligen Polizeiwache Nöldekestraße 17 gekündigt, weil die Kellerräume in Zukunft mit den übrigen Räumen mitvermietet werden sollen. Wo sie in Zukunft üben sollen, ist für die zehn betroffenen Bands noch nicht klar. Denn die Situation bei Proberäumen ist in Harburg seit Jahren angespannt, sagt SuedKultur-Sprecher Heiko Langanke.
Ihre Proberäume haben unter anderem die Bands Yellow Carpet, Trashkat, Stillleben, die Betty Ford House Band, A Life in a Minute und ein afghanisches Musikprojekt verloren. Betroffen sind außerdem ein St. Pauli-Fanclub und der Tischkickerverein Sidekick, der allein 60 Mitglieder hat.
Vor fünf Jahren war die leerstehende Wache an einen Privaten Investor verkauft worden, der aber die Proben weiter zugelassen hatte. Ursprünglich wollte er das Haus zu Wohnzwecken nutzen, was zunächst aber nicht erlaubt und erst im Zusammenhang mit den erheblichen Zuwanderungen von Flüchtlingen zumindest vorübergehend genehmigt worden war. Jetzt wurde ein großer Teil des Gebäudes an den Landesbetrieb Fördern und Wohnen vermietet, der dort ein Wohnprojekt einrichten will.
„Ein harter Schlag für Harburgs Kulturlandschaft“, bewertet Langanke, langjähriger Kenner der süderelbischen Kulturszene, die Situation. Denn Proberäume für Musiker seien nicht das einzige Problem. Es fehlten auch Ateliers für alle Arten von Kulturschaffenden. Er beklagt vor allem fehlende Unterstützung durch den Bezirk: „Seit Jahren warnen wir vor der ohnehin schlechten Proberaumsituation im Süden Hamburgs und stellten Anträge, um Leerstand zwecks Umfunktionierung zu Proberäumen zu ermitteln. Nun fällt das Kind in den Brunnen“, so Langanke.
Mittlerweile hat er selbst Kontakte zu potenziellen Investoren, um etwa Gebäude zu kaufen und langfristig zu Proberäumen umzubauen. „Aber all das verpufft, wenn es seitens des Bezirkes weder ein Bewusstsein oder gar eine grundlegende Unterstützung gibt.“ Er fordert eine klare Bedarfsermittlung und Planung von der Bezirksverwaltung.
Als Soforthilfe könnte sich SüdKultur den Umbau des alten Toilettenhäuschens am Schwarzenbergplatz und des denkmalgeschützten Häuschen an der Buxtehuder Straße vorstellen. Langanke: „Das wird zwar etwas kosten, aber auch Kultur gibt es eben nicht umsonst.“

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