Länger warten: Der Schnellbus kommt am Geranienweg nun seltener. Foto: mg

M. Greulich, Osdorf/Lurup

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 versprach der HVV, sein Angebot zu verbessern, um Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen. Doch in Osdorf und Lurup, wo die Schnellbuslinie 37 jetzt seltener fährt, wird das wohl nicht klappen – oder im Gegenteil, wenn man das Beispiel von Elbe Wochenblatt-Leserin Liane Meyer (Name geändert) zum Maßstab nimmt. „Ich steige vom Bus auf das Auto um“, so Meyer. Der Grund: „Ab Januar gibt es beim HVV wieder eine Preiserhöhung, aber meine Mobilität wird eingeschränkt.“

Warum fährt unsere Leserin ab sofort mit dem Auto in die Innenstadt?
An der Haltestelle Geranienweg fährt der Schnellbus 37 tagsüber nur noch alle 20 Minuten statt bislang alle zehn Minuten. Die dort haltenden Buslinien 22 und 391 fahren zu einer S-Bahn (Blankenese und Hochkamp), aber nicht zeitversetzt, sodass die Haltestelle zumindest alle zehn Minuten bedient würde. Außerdem fahren der 391er und der 22er weite Strecken und „haben deswegen auch Pünktlichkeitsprobleme“, so Meyer.

Warum fährt der 37er-Bus jetzt seltener?
HVV-Sprecher Rainer Vohl verweist auf Fahrgastzählungen, nach denen „einige Schnellbus-Linien auf bestimmten Abschnitten nur noch wenig genutzt wurden“. Dort fahren die Busse nun seltener, um den Takt auf anderen Linien erhöhen zu können. Leserin Meyer hat andere Beobachtungen gemacht: „Teilzeitkarteninhaber nutzen diesen Bus auch am Tage gut. Aber sie sind natürlich nicht so gute Zahler.“ Sie vermutet, dass es dem HVV weniger um die Auslastung der Busse als um Einnahmen gehe. Hintergrund: Für den Schnellbus muss man einen Zuschlag von 2,10 Euro zahlen, allerdings nicht, wenn man eine Zeitkarte oder im Preis reduzierte Teilzeitkarte hat, wozu auch das Sozialticket zählt.

Gibt es andere Busse, die vom Geranienweg in Richtung Innenstadt fahren?
HVV-Sprecher Vohl: „Auch nach dem Fahrplanwechsel gibt es tagsüber noch nahezu alle zehn Minuten eine Fahrtmöglichkeit ab Geranienweg in Richtung Hauptbahnhof /Innenstadt.“ Wer nicht den Schnellbus nimmt, muss auf die S-Bahn umsteigen. „Die Reisezeiten sind jedoch identisch oder nur wenig länger im Vergleich zu einer Fahrt mit dem Schnellbus 37“, rechnet Vohl vor. Praktisch bedeutet das: Mit der Buslinie 186 und Umstieg auf die S-Bahn in Othmarschen dauert es zum Bahnhof Altona 23 Minuten. Mit der Buslinie 392 und Umstieg in Hochkamp beträgt die Fahrzeit 27 Minuten. Die Fahrt mit dem Schnellbus dauert vom Geranienweg bis nach Altona 22 Minuten.

Wie ist die Situation für Fahrgäste am Geranienweg?
Die Haltestelle für den 186er liegt rund 70 Meter nördlich am Blomkamp. Schlecht für den, der nicht gut zu Fuß ist. Wochenblatt-Leserin Meyer: „Einfach den Bus verpassen geht nicht mehr. Es ist ein Unterschied, ob ich zehn Minuten warte oder 20 Minuten. Und ganz sicher wird die Linie 37 bald ganz abgeschafft“, befürchtet sie.

     Überdurchschnittliche Preiserhöhungen
2009 kostete eine Einzelfahrkarte von Lurup in die Innenstadt 2,70 Euro, zehn Jahre später muss der HVV-Kunde für diese Strecke 3,30 Euro bezahlen. Die Steigerung von 60 Cent mag sich nicht dramatisch anhören, doch sind die Fahrpreise sehr viel stärker als die übrigen Verbraucherpreise gestiegen. In zehn Jahren stieg der Verbraucherpreisindex um rund 13 Prozent, dann würde die Einzelfahrkarte 3,05 Euro kosten. Stattdessen stieg der Preis für das HVV-Ticket um mehr als 22,2 Prozent.
Damit steht Hamburg im bundesweiten Vergleich schlecht da. Das Portal Testberichte.de sieht Hamburg in einem Vergleich der Fahrpreise in deutschen Großstädten von 39 Städten auf Platz 34. Rostock kam auf Platz eins, Schlusslicht ist Lübeck. Bundesweit sind die 3,30 Euro übrigens einsame Spitze. Nirgendwo ist es teurer.

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