Das Grünspan von innen. Foto: pr

KP Flügel, St. Pauli

Mit einer ganzen Reihe von Festivitäten beging das Grünspan an der Großen Freiheit im November sein 50-jähriges Jubiläum. Eine Ausstellung erinnerte an die bewegten Zeiten sowohl des 1889 errichteten Gebäudes als auch des Grünspans. Einst waren hier unter anderem der Tanz- und Vergnügungssalon „Palmengarten“, ein „Hippodrom“, ein Lichtspieltheater, eine Badeanstalt und ein „Rock- und Twistclub“ untergebracht.

1968 wurde der heruntergekommene Club – so die Einschätzung vieler Beobachter – vom Zahnarzt Karl Lehwald und vom türkischen Geschäftsmann Dervis Börü übernommen. Beide betrieben damals auch die „Teestube“ in der Schmilinskystraße und das „Oblomov“ am Hauptbahnhof. Seit 2009 ist Robert Hager Geschäftsführer des Grünspan. 2012 wurden verschiedene historische Gebäudeelemente wie Balkongeländer und Gründerzeitsäulen wieder freigelegt.

Für Petra Scheunemann, seit Anfang des Jahres für Marketing und Firmenveranstaltungen zuständig, bedeute die Tradition keine Last. „Man merkt, dass das Haus eine Geschichte hat. Das empfinde ich eher als Bereicherung.“ Gerade bei den Jubiläumsevents hätten sich viele Menschen wiedergesehen, positive Erinnerungen ausgetauscht und zu Rock-Evergreens getanzt. Das mitzuerleben, sei schön gewesen und mache Lust, den Club in die Zukunft zu führen.

Legendärer Auftritte von REM und Rammstein

Die Liste der hier aufgetretenen Bands und Musiker wie Ike Turner, The Corrs, Rammstein, Bryan Adams oder REM, deren Auftritt vom Rockpalast aufgezeichnet wurde, ist eindrucksvoll. Das Grünspan, so Petra Scheunemann, sehe sich nicht nah an musikalischen Trends oder Moden. „Es gibt keine programmatische Ausrichtung. Für uns ist wichtig, dass die Musik friedlich ist und eine Offenheit ausstrahlt. Extreme Bands, in welcher Richtung auch immer, sind nichts für uns.“

Vom Geschehen um die Reeperbahnszene, Stichwort „Mallorcaisierung“, sieht sich das Grünspan nicht betroffen. Die meisten Kiezbesucher würden die Große Freiheit nur bis zur Simon von Utrecht-Straße gehen und dann wieder umdrehen. Außerdem gebe es im Grünspan keinen Club- beziehungsweise Partybetrieb. Einzige Ausnahme sei der Savage Club. Dann könne das schöne Couch-Interieur auch genutzt werden und die Musiker würden um das Publikum herum spielen.
Besonders freut sich Petra Scheunemann auf das Konzert von Selig am 20. Dezember, das allerdings schon ausverkauft ist. „Die Band könnte auch größere Locations füllen, aber dass sie hier spielen, das ist schon toll.“

 

Grünspan

 
1898 eröffnet der „Palmgarten“, ein Tanz- und Vergnügungslokal, in dem ein Orchester die Gäste unterhält.
1909 wird das Gebäude zu einem Hippodrom mit Manege umgebaut. 1919 werden dort Stummfilme in einem Lichtspieltheater gezeigt. 1930 wird das Haus zu St. Paulis Badeanstalt. 1963 wird dort ein Musikclub, anfangs für Twistmusik eingeweiht. Zunächst heißt er „Rock and Twist Club 62“, später „Hit Club“. 1968 eröffnet das „Grünspan“ als Diskothek. Die Pop-Art-Wandmalerei an der Außenfassade sorgt für Aufsehen. 1995 wurde die Disko als „Gruenspan“ zum Liveclub umgebaut.

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