Ute Hauschild lässt sich nicht so leicht abzocken: Sie brachte die dubiosen Schreiben zur Polizei. Foto: ww

Von Wolfgang Wittenburg.

Das Anschreiben wirkt auf den ersten Blick offiziell. Die Schlagworte „Mahnung“ und „Zwangsvollstreckung droht“ sind fett gedruckt. Seit rund zwei Jahren findet Ute Hauschild aus Fischbek immer mal wieder dubiose Mahnschreiben in ihrer Post. Gezahlt hat die frühere Reisebürokauffrau an die Absender in Rumänien, Bulgarien, Slowenien und der Tschechei noch nie. Aber sie möchte andere vor diesen Schreiben warnen.
Der Wortlaut ist meist drastisch: „Erste Mahnung – Ankündigung, Zwangsvollstreckung droht“ steht da und „Mit diesem Schreiben teilen wir Ihnen mit, dass sich in der Bundesrepublik Deutschland mehrere Klagen von verschiedenen Gewinn- und Zeitschriftenverlagen gehäuft haben (u.a. EuroMillions, Jackpot AG, NKL/SKL, Euro6aus49, Europlus69, Lottoland, 6aus49), diese haben sämtliche im Zahlungsverzug befindliche Beitragszahlungen ihrer Kunden, an uns abgetreten.“ Nun soll Ute Hauschild zahlen, und zwar nicht zu knapp: 709 Euro plus 22 Euro Mahnkosten plus 29 Euro vorgerichtliche Inkassokosten, insgesamt 760 Euro. Wer „innerhalb der nächsten drei Tage“ zahlt, brauche nur 305 Euro überweisen. Es gibt sogar ein „Aktenzeichen“.

Wenn auf 1.000 Mahnschreiben nur 30 Menschen hereinfallen,
haben die Ganoven fast 10.000 Euro kassiert
Ute Hauschild, Rentnerin

„Wenn auf 1.000 solcher Mahnschreiben nur 30 Menschen hereinfallen, dann haben die Ganoven mit wenig Aufwand fast 10.000 Euro kassiert“, empört sich die 73-jährige Ute Hauschild, die seit 1960 in Fischbek wohnt, über diese dreiste Betrugsmasche. Wenn sie immer gezahlt hätte, dann wäre die Rentnerin bisher rund 2.000 Euro losgeworden.
Deshalb hat sie ihre Mahnschreiben komplett der Polizei übergeben und Anzeige wegen Betrugs erstattet, sie möchte andere auch warnen. Der Erste Polizeihauptkommissar Axel Paust, stellvertretender Revierleiter des PK 47, sagt: „Wer eine ungerechtfertigte Mahnung in der Post hat, der soll in jeden Fall Anzeige wegen Betrug und/oder Nötigung bei der Polizei erstatten. Und wenn auf dem Anschreiben Namen, Adressen und dergleichen ersichtlich sind, dann geht die Polizei dem nach.“
Auch Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg kennt solche Fälle. Sie rät: Nicht unter Druck setzen lassen, sondern in Ruhe prüfen, ob die Forderung tatsächlich besteht. Hinweise auf unseriöse Absender:  Die Forderung bleibt nebulös, das Geld soll laut Länderkennung der IBAN ins Ausland überwiesen werden.

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