Der Stuhlmannbrunnen war bereits zu Kaisers Zeiten, zehn Jahre nach seiner Einweihung, besonders bei Kindern eine Attraktion, wie es diese Postkarte von 1910 belegt. Im Hintergrund sieht man den alten Altonaer Bahnhof, der 1973 abgerissen wurde. foto: Altonaer Stadtarchiv

Volker Stahl, ALTONA

Wer den Platz der Republik zwischen Bahnhof und Altonaer Rathaus passiert, kommt unweigerlich an ihm vorbei: am Stuhlmannbrunnen. Zwei mächtige Zentauren, Mischwesen aus Pferd und Mensch aus der griechischen Mythologie, kämpfen um einen riesigen Fisch. Die Zentauren symbolisieren damit den zwei Jahrhunderte währenden Kampf der Städte Hamburg und Altona um den Fisch. Im Sommer finden sich zahlreiche Besucher ein, um das Schauspiel der Wasserfontänen zu beobachten.

Doch die wechselhafte, teilweise auch kuriose Geschichte des Brunnens und seines Stifters, Günther Ludwig Stuhlmann (1797-1872), ist wohl den meisten unbekannt. Wolfgang Vacano, Leiter des Altonaers Stadtarchivs: „Ende der 1990er-Jahre war der Brunnen innerlich total verrottet. Das Gerüst hielt nicht mehr die Figuren, sondern die Figuren hielten das Gerüst.

Die Stadt Hamburg
verweigerte Zuschuss

Durch Unterstützung der Norddeutschen Affinerie (heute: Aurubis) – die Stadt Hamburg verweigerte einen Zuschuss – wurde der Brunnen auf deren Firmengelände saniert. „Der Hin- und Rücktransport durch den Hafen war nur bei Niedrigwasser möglich, sonst hätten die Figuren nicht unter die Brücken gepasst“, erinnert sich Vacano.

Brunnen-Stifter Stuhlmann erlebte den Bau des Brunnens nicht mehr. Der reiche Mäzen, Gründer und Besitzer der Altonaer Gas- und Wasseranstalt AG, hatte seiner Heimatstadt noch zu Lebzeiten 75.000 Mark Courant vermacht. Davon sollte unter anderem jener Brunnen aufgestellt werden. Allerdings rief der Altonaer Magistrat erst 25 Jahre nach Stuhlmanns Tod einen Gestaltungswettbewerb aus, den der Berliner Bildhauer Paul Türpe (1859-1944) gewann. Der Berliner Kupferschmied Otto Bommer fertigte das Monument an, das 1900 eingeweiht wurde.

2006 sorgten dann Aurubis-Ingenieur Wolfgang Seiler und Wolfgang Vacano – dem Wunsche Stuhlmanns entsprechend – für eine Beleuchtung am Rand des Brunnens. Doch bis vor wenigen Jahren fehlte noch ein weiteres Detail am Brunnen: Ein Altonaer Stadtwappen. Das Stadtwappen, das einst Wolfgang Vacano schuf, wurde 2010 angebracht, sodass Stuhlmanns testamentarische Verfügung von 1869 nach 141 Jahren doch noch umgesetzt wurde.

❱❱ Altonaer Stadtarchiv,
Max-Brauer-Allee 134, (über Seiteneingang Hospitalstraße),
Tel. 50 74 72 24
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mo-fr 10-16 Uhr (nur nach Voranmeldung)
Leiter: Wolfgang Vacano

Weißt du noch…?“
Die meisten Menschen, die heute in Altona leben, wissen nicht, wie es früher in der bis 1937 selbstständigen Stadt aussah. Und Altonaer, die etwas zur Geschichtsschreibung beitragen könnten, werden immer weniger. Dafür siedeln sich immer wieder Menschen hier an, die den heutigen Stadtteil kaum kennen, geschweige denn etwas von der äußerst vielfältigen Geschichte Altonas wissen. Die Elbe Wochenblatt-Serie soll mithilfe des von Wolfgang Vacano geleiteten Altonaer Stadtarchivs zumindest etwas „Grundwissen“ über Altona und die Stadtteile vermitteln, die zum heutigen Bezirk Altona gehören. VS

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