Weihnachten in Notzeiten – Nissenhütte im Freilichtmuseum am Kiekeberg. Foto: FLMK

Zuerst ging es nur ums reine Überleben, später wurden die Träume größer, mündeten in kaum gehemmte Konsumfreude in den Wirtschaftswunderjahren: In einer neuen Sonderausstellung erinnert das Freilichtmuseum am Kiekeberg an Weihnachten in der Nachkriegszeit. Ein Blick in die Wohnzimmer zeigt, wie die Menschen damals zusammenrücken mussten.
Die erste Friedensweihnacht 1945: Es fallen zwar keine Bomben mehr, aber die Menschen müssen weiter kämpfen – gegen Hunger, Kälte und Wohnungsnot. Sie warten auf die Rückkehr ihrer Männer, Väter und Söhne. In Notunterkünften – im Museum in Form einer typischen Nissenhütte zu erleben – finden Flüchtlinge zwischen Feldbett und kleinem Eisenofen kreative Wege, die Enge festlich zu gestalten, und suchen Trost in bekannten Liedern. Handwerklich begabte Verwandte schenken liebevoll aus Kriegstrümmern gefertigte Spielzeuge oder reparierte Puppen. „Historischer Weihnachtsschmuck, alte Wunschzettel und Briefe erzählen berührende Geschichten“, sagt Verena Pohl vom Kiekeberg-Museum. Mancher wird sich an die eigene Geschichte erinnert fühlen.

Nach der Währungsreform folgt der Wiederaufbau. Lebens- und Heizmittel sind wieder verfügbar. Die Menschen kaufen sich erste neue Möbel. Familien finden zusammen, die Männer kehren aus der Kriegsgefangenschaft zurück, viele versehrt. In der Sonderausstellung ist ein typischer Wohn-Schlafraum mit schmächtigem Nadelbaum und wenigen Kerzen als Ort der Hoffnung auf Normalität und bessere Zeiten ausgestellt.
Um das Jahr 1959, mitten im Wirtschaftswunder, erlebt die Bevölkerung den Weihnachtsabend schon mit deutlich gewachsenem Wohlstand: Die Ausstellung zeigt ein Wohnzimmer, das Platz für einen üppigen Weihnachtsbaum bietet. Das Weihnachtsessen wandelt sich von der Notration zum Festmahl mit süßen Leckereien. Kinderaugen leuchten beim Anblick der neu gekauften Geschenke.
Die Sonderausstellung „Zwischen Trümmern und Träumen. Weihnachten in der jungen Bundesrepublik“ ist bis zum 17. Februar im Freilichtmuseum am Kiekeberg in Rosengarten-Ehestorf zu sehen. Der Eintritt kostet neun Euro, für Besucher unter 18 Jahren ist er frei.

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