Hilfe für Drogenabhängige: Christine Tügel, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins Jugendhilfe e. V., im Aufenthaltsraum des „Stay Alive“. Die Einrichtung hat etwa 50 bis 75 Besucher pro Tag. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Altona

Süchtige, die in aller Öffentlichkeit Drogen konsumieren, Dealer, die aus dem Auto heraus ihren „Stoff“ verticken: In Altona ist ein neuer Streit rund um die Drogenhilfeeinrichtung „Stay Alive“ in der Virchowstraße entbrannt. „Innerhalb der letzten zwei Jahre hat sich die Lage deutlich verschärft“, sagt der Filialleiter des Hagebaumarkts, der nur wenige 100 Meter vom „Stay Alive“ entfernt liegt.

Schon morgens träfen die Mitarbeiter Drogenabhängige an, die sich etwa am Wareneingang ihren ersten Schuss setzten oder ihre Crackpfeife reinzögen. Auch bei der sogenannten Beschaffungskriminalität will der Filialleiter einen Anstieg festgestellt haben. „Letztes Jahr sind bei uns allein 35 große Feuerzeuge – so eine Art Bunsenbrenner – geklaut worden. Seither setzen wir mehr Detektive ein“, berichtet er. „Natürlich sind diese Leute nicht zu beneiden, aber die Situation nervt trotzdem!“

Benutzte Spritzen gegen neue tauschen

Das vor knapp sechs Jahren von St. Pauli nach Altona umgezogene „Stay Alive“ ist ein Angebot für Drogenabhängige, die ihre mitgebrachten Drogen in einem geschützten Raum und unter ärztlicher Aufsicht konsumieren wollen. Der Handel mit Hasch, Heroin und Co. ist auf dem Gelände der Einrichtung strikt untersagt. Benutzte Spritzen können gegen neue getauscht werden. Die Besucher können sich duschen, für kleines Geld zu Mittag essen und sich zu Themen wie Gesundheit, Arbeit und Familie beraten lassen. Die Einrichtung hat täglich zwischen 11.30 und 19 Uhr geöffnet.

Vor rund einem Jahr war das „Stay Alive“ schon einmal in die Schlagzeilen geraten – aus dem gleichen Grund: Drogenhandel und -konsum in aller Öffentlichkeit. „Die Beobachtungen, die in einzelnen Fällen gemacht worden sind, sind sicher richtig, aber zum Teil auch Momentaufnahmen“, sagt Christine Tügel, Vorstand des Trägervereins Jugendhilfe e. V., zur derzeitigen Situation. Nicht jede Person, die obdachlos sei und in der Nähe des „Stay Alive“ angetroffen werde, müsse gleich ein drogenabhängiger Mensch sein. „Man muss da differenzieren“, sagt Tügel.

Ihr Rat: Anwohner, die sich gestört fühlen, sollten sich an die Polizei wenden. „Dass in Hamburg Drogenhandel und öffentlicher Drogenkonsum stattfindet und auch benutzte Spritzen herumliegen, ist nicht auf die Existenz von Drogenhilfe- einrichtungen wie dem ,Stay Alive’ zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, dass es viele drogenabhängige Menschen in dieser Stadt gibt“,
so Tügel abschließend.

Das sagt die Polizei
Laut Polizeipressestelle Hamburg ist in letzter Zeit eine „erhöhte Frequentierung der Drogenhilfeeinrichtung (gemeint ist das „Stay Alive“, d. Red.) sowie des Umfeldes“ festzustellen. Zu den „szenetypischen Delikten“ zählt die Polizei unter anderem den Besitz und den Handel von Drogen wie auch Diebstahl und ähnliches mehr („Beschaffungskriminalität“). Zahlen kann die Pressestelle jedoch nicht nennen. Auf die Frage, wie die Polizei auf das Problem reagiere, antwortet Pressesprecher René Schönhardt: „Wir intensivieren unsere Maßnahmen und erhöhen die polizeiliche Präsenz: Zivile und uniformierte Kräfte werden – zum Teil in Schwerpunkteinsätzen – verstärkt tätig.“ Ebenso habe man die Bürgernahen Beamten aus Altona verstärkt eingebunden. Weiterhin verweist Schönhardt auf einen „Runden Tisch“, der sich regelmäßig zu diesem Thema zusammenfindet. Zu den Teilnehmern gehören Vertreter des Polizeireviers 21 in der Mörkenstraße, des „Stay Alive“, des Bezirksamts, sowie Anwohner und Lokalpolitiker. cvs

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