Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher beim Wochenblatt-Interview. Fotos: Lenthe/News4HHHamburgs Erster Bürgermeister, ist zu Beschuch der Redaktion des Elbe Wochenblattes in Harburg. Das Elbe Wochenblatt hat ihn im Interview. © News4HH/Lenthe; Belegheft erbeten! Kontakt: News4HH/Andre Lenthe, Lühmannstr. 39a, 21075 Hamburg, Email: a.lenthe@touristik-foto.de,Mobil: 0152 5356 8773; Bankverbindung: Hamburger Sparkasse (BLZ: 200 505 50) Kontonummer: 1275 4150 89; Steuernummer: 47/143/00100 beim Finanzamt Hamburg Harburg

Von Matthias Greulich/Olaf Zimmermann

Volle S-Bahnen, Dauerstau auf den Ausfallstraßen – im zweiten Teil des Wochenblatt-Interviews mit Bürgermeister Peter Tschentscher geht es überwiegend um die missliche Verkehrssituation im Hamburg Süden.
EW: Im Hamburger Süden wird die Geduld der Autofahrer auf eine harte Probe gestellt. An mehreren Hauptverkehrsachsen wird gleichzeitig gebuddelt. Der Verkehr quält sich sich durch Nebenstraßen und Tempo-30-Zonen. Wer hat Schuld an diesem Chaos?
Tschentscher: In ganz Hamburg werden die Straßen stark in Anspruch genommen. Das Problem ist, sie wurden in den früheren Jahren nicht ausreichend instandgesetzt. Deshalb müssen wir jetzt einiges nachholen und zusätzliche Kapazitäten schaffen für den Radverkehr, die Busse und die Bahnen. Außerdem werden in der ganzen Stadt Datenkabel für schnelles Internet verlegt, was aus anderen Gründen wichtig ist. Das führt leider zu vielen Baustellen, die wir besser koordinieren müssen.
Bisher wurden die großen Projekte bereits aufeinander abgestimmt, jetzt werden auch die kleineren Baustellen der Bezirke in die Gesamtkoordination einbezogen und dies mit einer moderne Software bearbeitet. Aber auch bei bester Koordination führen Baustellen immer vorübergehend zu einer gewissen Einschränkung.

Und wenn irgendwo ein Wasserrohr platzt, wird es noch schlimmer.
Ja, da kommt eins zum anderen. Das Sielnetz ist zum Teil über 100 Jahre alt. Die Brücken ebenfalls. Vieles hätte man auch schon vor zehn, 20 oder 30 Jahre machen können. Jetzt ist der Zustand so, dass wir die Stadt in vielen Bereichen – zum Beispiel auch bei den Schulen und öffentlichen Gebäuden – wieder richtig in Ordnung bringen müssen. Das nehmen wir ernst. Allein für die Sanierung der Straßen haben wir pro Jahr 120 Millionen Euro eingeplant. Es liegen leider noch einige Jahre vor uns, in denen wir relativ viel zu tun haben.

Zwei Beispiele aus Harburg und Süderelbe: Der Ehestorfer Heuweg sollte neun Monate lang gesperrt werden. Die Heimfelder Straße – ebenfalls eine wichtige Verbindung – sollte mehrere Wochen dicht gemacht werden. Nach massiven Beschwerden von Anwohnern und offenbar durch einen direkten Draht zum Staatsrat wurden die Planungen verändert. Aus meiner Sicht drängt sich der Eindruck auf, dass die Behörden bei den Planungen die Anwohner vergessen. Der Bezirk wurde nicht richtig informiert. Man testet aus, wo die Schmerzgrenze der Anwohner liegt. Erst wenn Proteste kommen, wird etwas verändert. Ist das eine richtige Vorgehensweise?
Es geht immer darum, die Belastungen durch eine Baustelle so gering wie möglich zu halten. Wenn Sie den ganzen Ehestorfer Heuweg in einem Schritt sanieren, dauert es nur neun Monate, dafür sind die Einschränkungen aber größer. Aufgrund der Beschwerden der Anwohner werden die Baumaßnahmen jetzt in zwei Abschnitten durchgeführt. Dadurch sind die Einschränkungen geringer, aber sie dauern eben deutlich länger. Das ist immer eine Abwägungsfrage.

Es sind nicht nur die Anwohner, sondern auch eine Schule, Restaurants und Betriebe.
Eben. Deshalb wird die Baustelle jetzt so durchgeführt, dass diese immer von einer Seite gut erreichbar bleiben. Aber die Bauarbeiten dauern dadurch eben länger.

Es ging offenbar, weil man ein anderes Projekt an der Bremer Straße aufgeschoben hat.
Das kann man im Einzelfall machen. Aber wir müssen eben in den kommenden Jahren viele Baustellen abwickeln, damit die Straßen in Ordnung kommen.

Von der einen Seite ist es erfreulich, dass etwas passiert, wenn Bürger sich artikulieren.
Ja, genau.

Auf der anderen Seite kann man aber auch sagen, warum musste das erst passieren?
Weil die Behörden nicht immer alles im Voraus wissen und so einschätzen können wie die unmittelbar Betroffenen. Das kann man nicht immer vorhersagen. Deshalb ist es gut, wenn die Planungen in den Bezirken vorgestellt und die Anwohnerinnen und Anwohner informiert werden. Es gibt viele Planungen, die man macht, und alle sind zufrieden.
Bei uns in Barmbek wurden große Abschnitte der Fuhlsbütteler Straße in einem Stück saniert. Das war OK. Wenn man aber eine Planung macht, mit der alle unzufrieden sind, muss man sie ändern. Unser Ziel ist es, die Stadt in Ordnung zu bringen und den Leuten dabei nicht unnötig das Leben zu erschweren.

Wobei die Harburger manchmal dieser Meinung sind.
Ja, einige sagen das. Ich bin oft in Harburg. Da gibt es das Gefühl, ein bisschen abgetrennt zu sein. Das Rathaus sei weit weg.

Ich habe schon offizielle Senatskarten gesehen, die an der Elbe aufhören.
Die gab es vielleicht früher mal. Das gleiche Gefühl haben die Menschen übrigens manchmal auch in Bergedorf, das etwas abseits vom Zentrum liegt. Da kann ich nur sagen, dass es viele gute Projekte in Bergedorf und Harburg gibt. Wir bauen die Technische Universität aus. Das ist doch großartig für Harburg. Das neue Rathausforum ist modern, hat ein neues Kundenzentrum und liegt zentral, das haben andere Bezirke nicht. Vieles ist auch in Wilhelmsburg neu.

Wenn man zum Ausländeramt will, gibt es selbst frühmorgens lange Schlangen.
Da sind wir auch dran. Wir haben viele Flüchtlinge in Hamburg aufgenommen, dadurch ist jetzt mehr zu tun.

Was gefällt Ihnen in Harburg besser als nördlich der Elbe?
Harburg ist an vielen Stellen weniger dicht bebaut als im Zentrum und hat ein historisches Rathaus, ein eigenes Theater, ein eigenes Finanzamt, die Technische Universität und eine eigene Identität, ein Harburger Wir-Gefühl. Zugleich werden viele Quartiere neu entwickelt. Das Wohnen am Wasser im Harburger Binnenhafen ist sehr attraktiv. Im Grunde hat in Hamburg jeder Stadtteil etwas Besonderes und einen eigenen Charakter. Ich fühle mich zum Beispiel in Barmbek sehr wohl. Wir wollen, dass man in allen Stadtteilen gut leben kann, bauen deshalb in allen Bezirken gute und bezahlbare Wohnungen, auch für diejenigen mit kleineren Einkommen.

Dazu passt es nicht, wenn man hört, dass sich der Eisenbahnbauverein Harburg nicht mehr um öffentliche Grundstücke bewirbt, weil er ohnehin nie den Zuschlag erhält.
Bei der Vergabe städtischer Grundstücke dürfen wir aus rechtlichen Gründen niemanden direkt bevorzugen. Wir können die Grundstücksverkäufe aber an bestimmte Kriterien binden, zum Beispiel, dass die Wohnungen für eine lange Zeit nicht
als Eigentumswohnung verkauft werden, und dass sie nur geringe Mieten von acht Euro pro Quadratmeter haben dürfen. Dadurch haben Genossenschaften einen Vorteil, weil sie die Wohnungen in ihrem Bestand behalten und günstig vermieten. Bei solchen Grundstücksvergaben ist nicht die Höhe des gebotenen Kaufpreises entscheidend, sondern dass man diese Kriterien erfüllt.

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