Harald Peterlick hat zwei E-Scooter. Mit beiden darf er keine HVV-Busse benutzen. Foto: cvs

Harald Peterlick ist sauer, richtig sauer. „Ich fühle mich verschaukelt“, schimpft der Rentner. Seit langem ist der schwerkranke Wilhelmsburger, der unter anderem drei Herzinfarkte überlebt hat, auf einen sogenannten E-Scooter angewiesen. Dank seines vierrädrigen und bis zu sechs Stundenkilometer schnellen Gefährts kann Peterlick eigenständig einkaufen oder auch mal zum Arzt fahren.
Doch für weiter entfernt liegende Besorgungen reichte es bislang nicht. Grund: Der HVV hatte die Mitnahme von bestimmten Scootern in seinen Bussen verboten (das Wochenblatt berichtete). Aus dem Grund musste sich Peterlick extra ein neues Elektromobil bestellen, das die HVV-Bedingungen erfüllen sollte. Allerdings: Auf die offizielle Genehmigung wartet der 68-Jährige noch heute. „Das ist nicht schön, wie die mit mir umgehen“, grummelt er. „Das ist ’ne Sauerei!“
Peterlicks neues Modell „Fortis“ stammt von der Firma Bischoff & Bischoff aus der Nähe von Karlsruhe. Es verfügt über Antikipprollen, eine Allrad-Feststellbremse und ist mit 1,20 Meter genauso lang, wie der HVV maximal erlaubt. Was bislang fehlt, ist eine blaue Plakette, die dem Busfahrer die Zulassung des jeweiligen Gefährts signalisiert.
Der Aufkleber, der ein entsprechendes Piktogramm zeigt, wurde im vergangenen Winter nach fast dreijährigen Verhandlungen zwischen deutschen Verkehrsbetrieben und Behindertenverbänden eingeführt. „Für den Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) ist mit der Neuregelung der Mitnahme von E-Scootern in ÖPNV-Bussen ein großer Schritt in Richtung Teilhabe am Leben gemacht“, sagt BSK-Sprecher Peter Reichert.
Ungeklärt bleibt nach wie vor, warum Peterlicks Scooter diese Plakette nicht bekommt. Ein Anruf bei der Herstellerfirma Bischoff & Bischoff bringt wenigstens ein klein wenig Licht ins Dunkel. So sei die sogenannte Kurvenfahrt – immerhin träten dort Kräfte von 0,5 G auf – noch nicht ausreichend geprüft worden, sagt ein Firmensprecher. Ansonsten erfülle das Gerät aber alle Anforderungen.
Hoffnung auf baldige Besserung will das Unternehmen trotzdem nicht verbreiten: Jüngst sei nämlich eine neue Scooter-Serie herausgekommen, die beim Test erstmal vorgehe. Der Betroffene könne sein Gerät umtauschen. „Ich würde mich an das Sanitätshaus wenden, wo der Scooter gekauft wurde“, so der Sprecher.

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