Außergewöhnliche Reaktion für eine Siebenjährige: Retterin Noa (inzwischen acht Jahre alt) mit Wolfgang Austen, Leiter der Polizeiwache in der Koppelstraße.. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Stellingen

Auf die Frage, ob sie Angst hatte, muss Noa einen Moment lang überlegen. Dann nickt sie. Angst? Klar, wer hätte das nicht, wenn der eigene Vater plötzlich mit Zuckungen auf dem Boden liegt. Aber stolz sei sie auch gewesen. Schließlich hatte sie sich genauestens gemerkt, was der Großvater ihr einst gesagt hatte: „Wenn etwas passiert, lauf zur Tankstelle. Dort kennen sie uns und wissen, was zu tun ist.“

Rückblick: Im vergangenen August – während der Hamburger Sommerferien – ist das damals noch siebenjährige Mädchen zu Gast bei ihrem Vater, der in Stellingen lebt. Abends, gegen 20.30 Uhr, bricht der 30-Jährige auf einmal zusammen, bekommt Krämpfe, kann sich nicht mehr artikulieren. Diagnose: Akute Unterzuckerung.

„Zu wenig gegessen, zu viel gespritzt“, erklärt er. „Das ist mir in meinem ganzen Diabetikerleben noch nie passiert.“ Deshalb möchte der Stellinger auch nicht, dass sein Name in der Zeitung erscheint. „Das würde vielleicht nicht gut ankommen bei meinem Arbeitgeber.“

Auf Strumpfsocken lief
Noa zur Tankstelle

Was dann passiert, liest sich im Polizeibericht so: „Das Mädel reagierte sofort und lief auf Strumpfsocken aus dem Haus, um an der nahegelegenen Tankstelle Hilfe zu holen.“ Die Achtjährige, die in Hamm zur Schule geht, erzählt weiter: „Dann ist der Rettungswagen gekommen, und ich durfte mitfahren. Ich hab denen den Weg gezeigt zur Wohnung.“

Weil Noa keinen Hausschlüssel dabeihat, müssen die Feuerwehrleute die Tür eintreten. Ende gut, alles gut, möchte man sagen: Der Vater bekommt Glukose gespritzt, ist schnell wieder auf den Beinen. Aber ein aufregender Tag für alle Beteiligten – insbesondere für ein gerade mal siebenjähriges Mädchen, das eine für ihr Alter erstaunliche Umsicht gezeigt hat.

Von der zuständigen Dienststelle 27 in der Koppelstraße hat Noa eine sogenannte „Belobigung“ erhalten. Und als Präsent einen kleinen Polizei-Plüschfuchs plus Basecap mit Polizeiemblem. „Das war keine normale, von einem Kind zu erwartende Reaktion, sondern etwas ganz Außergewöhnliches“, sagt Revierleiter Wolfgang Austen.

„Dieses besondere Verhalten wird von uns gewürdigt.“ Ein Geschenk für später gabs obendrauf: Zusammen mit ein paar Klassenkameraden darf Noa einen Tag lang die Polizeiarbeit der Wache 27 begleiten – inklusive Fahrt im Peterwagen.

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