104 Jahre alt und immer noch fit: Erika Zachau. Foto: cvs
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In dem Jahr, in dem Erika Zachau geboren wurde, brach der britische Abenteurer Ernest Shackleton zu seiner berühmten Antarktisexpedition auf. Der Panamakanal wurde eröffnet, und der Erste Weltkrieg begann. Für die allermeisten von uns gehören diese Ereignisse, die sich 1914 zutrugen, zu einer längst vergangenen Epoche. Bei Erika Zachau ist das nicht der Fall – sie hat sie beinahe noch miterlebt. Im Januar feiert die Bewohnerin des Seniorenzentrums „Am Inselpark“ Geburtstag. Mit dann 105 Jahren zählt die rüstige Wilhelmsburger Seniorin zu den ältesten Einwohnern Hamburgs.
Was ist ihr Geheimnis für ein so langes Leben? Erika Zachau weiß es selbst nicht so genau. „Da gibt es kein Geheimnis“, meint sie schließlich. „Ich habe immer ruhig gelebt, bin immer zufrieden gewesen.“ Ihre früheste Erinnerung reicht bis zu dem Tag zurück, an dem ihr Vater aus dem Krieg zurückkehrte. In Kiel lebte die Familie damals.
Autos gab es noch nicht so viele, stattdessen Pferdefuhrwerke. Das junge Mädchen Erika arbeitete nach ihrer Konfirmation – eine Ausbildung für weibliche Heranwachsende war eher unüblich – in einem solchen Fuhrgeschäft mit und organisierte Transporte durch die Stadt und ins Umland. „Es war eine Sensation, als der Chef eines Tages mit dem Auto vorfuhr“, erinnert sie sich.
Im Jahr 1936 schließlich heiratete die junge Deern von der Ostseeküste und wurde Wilhelmsburgerin. Die Familie wohnte im heute immer noch ländlichen Osten der Elbinsel. Das Ehepaar bekam zwei Töchter und erlebte mit ihnen den Zweiten Weltkrieg („Das war ’ne schlimme Zeit, damals“) wie auch die Sturmflut von 1962, die für die vier relativ glimpflich verlief („Nur der Keller war voller Wasser“).
Erstaunlich: Erst vor drei Jahren ging Erika Zachau ins Seniorenheim. „Vorher habe ich immer alles selbst gemacht“, berichtet sie nicht ohne Stolz. Trotz ihrer fast 105 Jahre wirkt die alte Dame auffallend unternehmungslustig. Häufig ist sie im Erdgeschoss des Hauses zu finden, wo sie mit ihrem Rollator hinfährt, um ‘n büschen zu schnacken“, wie sie sagt.
Bei der Rollstuhlbasketball- WM in diesem Sommer im Inselpark saß sie in der ersten Reihe. „Wo was los ist, bin ich gerne dabei“, lächelt sie verschmitzt und bietet ihrem Gast zum wiederholten Mal ein Glas Sekt an. Aufgeschlossenheit, Neugier und die Freude an gemeinsamen Unternehmungen – vielleicht sind auch das die „Zutaten“, die bei einem Rezept für ein langes Leben keinesfalls fehlen dürfen.

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