Einen Abend vor dem 80. Gedenktag zur Reichspogromnacht setzten sich wilhelmsburger SchülerInnen im Rahmen der Harburger Gedenktage mit dem Holocaust und anderen Genoziden auseinander.
Gedenken neu denken?
Ein voller Rieckhof lauscht gebannt den Erzählungen
Die Spielerrinnen erzählen nach und nach von ihrem „Leben“
Rund 200 Zuschuschauer fanden sich schon zum Einlass zahlreich im Rieckhof ein. Dabei wurden sie in eine surreale Welt geführt, in der der gesamte Raum mit Wäscheleinen, zerrissenen Zeitungen, Kleidung, Sakkos, Puppen und Projektionen von Auschwitz-Insassen durchzogen war; Auf der Bühne biederes Mobiliar und viele Steh-und Tischlampen.
Die SchauspielerInnen – schwarz gekleidet und alle mit dem gleichen grauen Stickjackenüberwurf – erzählen, singen und spielen mal chorisch und mal stumm von schönen intimen Momenten und Erinnerungen sowie grausamen und unaussprechlichen Begebenheiten.
Das junge Alter verwundert, bei so viel Empathie und Ernsthaftigkeit.
Die 15-17-Jährigen  haben sich für dieses Stück durch eigene biografische Zugänge mit dem Holocaust auseinandergesetzt, um die Unvergleichbarkeit und Wichtigkeit hinsichtlich der Auseinandersetzung in der Gegenwart und Zukunft zu verdeutlichen.
Das Projekt und die Veranstaltungsreihen sind absolut bemerkenswert, da ausnahmslos alle SchülerInnen einen Migrationshintergrund aufweisen.
Alle eint zwar die deutsche Staatsbürgerschaft und das Leben auf Wilhelmsburg, jedoch liegen die Wurzeln der 20 SchülerInnen dieser Theater AG in Ghana, Russland, Türkei, Kurdistan, Kroatien, Afghanistan, Kosovo, Sudan, Iran, Tunesien, Marokko, Irak, Tschechischen und Mazedonien.
Keiner hat eigene biografische Bezugspunkte zu unserer dunklen deutschen Geschichte, dennoch haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, fürs Menschsein einzustehen und das Gedenken in Deutschland zu hinterfragen sowie neue Formen zu finden, um den Verstummten eine Stimme zu geben.
Der Beifall und die rührenden Gespräche im Anschluss an die Veranstaltung verdeutlichen, dass sie damit die Menschen erreichen und auch gegenwärtige Verhältnisse in Deutschland damit anprangern.
Das Projekt wird mit der Szenischen Lesung im Januar nochmals zum Holocaustgedenktag am 27.01.19 zusammenkommen.
Leid unter jiddischen, bosnischen und kurdischen Klagegesängen
Im März kommt es aber zu einer ganz besonderen Weiterentwicklung der Arbeit der Jugendlichen. Sie werden nämlich nicht nur in Jerusalem und Tel Aviv auftreten, sondern auch an der International School of Holocaust Yad Vashem zu weiteren Opfern recherchieren, um deren Namen und Geschichten – im Rahmen eines weiteren Theater-Kunst-Projektes wieder nach Deutschland zu überführen.
Alle Informationen zum Auftritt und dem Stück erhalten Sie auf unserer Homepage.
Theater AG unter der Leitung von Herrn Bouden

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