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Von Wolfgang Wittelburg/ Gaby Pöpleu.

Die Vollsperrung des kompletten Ehestorfer Heuwegs für neun Monate wegen umfangreicher Bauarbeiten ist gestoppt. Stattdessen soll die wichtige Verbindungsstraße zwischen Rosengarten und dem Hamburger Stadtgebiet nun in zwei Teilabschnitten voll gesperrt werden, erst der südliche Teil von der Landesgrenze bis kurz vor die Einfahrt zur Rudolf-Steiner-Schule, dann der nördliche Teil von der Schule bis zur B73. Der jeweils andere Abschnitt bleibt befahrbar. Trotzdem: Eine komplette Durchfahrt wird viele Monate nicht möglich sein.
Die neue Planung sieht zwei Bauabschnitte vor: Start der eigentlichen Sanierung ist im März. Bis September 2019 wird der südliche Teil und nach einer Winterpause von März bis November 2020 der nördliche Teil saniert. Die Rudolf-Steiner-schule, der Jägerhof, das Restaurant Grando Sukredo sollen aber jeweils aus einer Richtung erreichbar bleiben, verspricht Chris-tian Füldner, Sprecher der Verkehrsbehörde. Anlieger kämen jederzeit auf ihre Grundstücke.

Durch die neue Planung soll auch die Ganztagsschule mit Mensabetrieb besser erreichbar und Schulkinder sollen im Baustellenbetrieb sicherer sein. Ein Sicherheitsbeauftragter auf der Baustelle soll dafür sorgen, dass die Gewerbebetriebe und Grundstücke jederzeit erreichbar sind und Pflegedienste zweimal täglich die gesperrten Abschnitte passieren können.
Schon seit März leiden Anwohner und Gewerbebetriebe unter den Vorabeiten zur Grundinstandsetzung. Seit dem Sommer bringen die Energie- und Wasserversorger ihre Leitungen auf Vordermann. Derzeit ist der Ehestorfer Heuweg aber nur in einem kurzen Abschnitt voll gesperrt.
Anwohner und Geschäftsleute sind inzwischen richtig sauer: Ein offener Brief ging an Hamburgs Bürgermeister und eine Petition an die Bürgerschaft wurde von rund 300 Bürgern unterschrieben. Eine Klage behält man sich noch vor. Ein zentraler Kritikpunkt: Die Bürger sind bis heute nicht offiziell informiert worden, selbst die Bezirkspolitiker erfuhren erst in einer Bürgerfragestunde vom Umfang der Bauarbeiten. Die Proteste führten nun dazu, dass Mitte Januar eine Informationsveranstaltung stattfinden soll.
Was die Proteste auch bewirkten: Die eigentlich für das kommende Jahr vorgesehene Sanierung der Bremer Straße, ebenfalls wichtige Verbindung zwischen Harburg/Süderelbe und dem Landkreis/Rosengarten, wurde um ein Jahr auf 2021 verschoben.

 

Mitarbeiter entlassen, weniger Umsatz

Schule und Gastronomie leiden unter monatelanger Sperrung des Ehestorfer Heuwegs

Von Wolfgang Wittenburg.

Wenn der Ehestorfer Heuweg wegen Bauarbeiten monatelang komplett gesperrt würde, wären Existenzen von Gastwirten und kleine Ingenieursbüros bedroht, Anwohner in Unsicherheit und eine Schule in Nöten. Das sagen Betroffene:

Klaus-Michael Maurer, Leiter der Rudolf-Steiner-Schule:
„Unsere Schule wird von 449 Schülern von Klasse eins bis 13 besucht. Dazu kommen 44 Kinder im Kindergarten und insgesamt etwa 70 Mitarbeiter. Am Nachmittag kommen Musiklehrer und das Personal einer Reinigungsfirma dazu. Insgesamt kann man sagen, dass gut 570 Personen das Grundstück täglich aufsuchen. Rechnet man die Eltern dazu, die ihre Kinder morgens bringen und mittags abholen, dann erhöht sich die Zahl auf sicherlich 700 Menschen. Wenn es uns gelingt, diese Probleme gemeinsam und mit der Hilfe des Umfelds zu bewältigen, haben wir Enormes erreicht.“

Parmjet Kaur, Inhaberin
Restaurant „Grando Sukredo“:
„Wir sind seit 15 Jahren hier, aber so etwas ist noch nie passiert. Wir können nicht mehr alle Mitarbeiter bezahlen, weil jetzt schon weniger als die Hälfte der Gäste kommen. Vollzeitkräfte brauchen wir weniger, mehr Aushilfen, aber das finden wir nicht gut. Das Vorhaben mit einer Vollsperrung wäre tödlich, die Stadt soll den Bürgern doch helfen und sie nicht kaputtmachen.“

Hüseyin Cekirdek, Mitinhaber „Berghotel Hamburg Blick“:
„Bisher haben wir wegen der Bauarbeiten einer Sekretärin, einer Rezeptionistin und drei Köchen kündigen müssen – so macht man uns kaputt! Wir haben 60 bis 70 Prozent weniger Gäste und bieten jetzt keinen Mittagstisch mehr an. Sämtliche Anfragen für Feierlichkeiten für 2019 haben wir aus Unsicherheit abgesagt. Wir haben einen Rechtsanwalt beauftragt und werden die Stadt Hamburg, wenn es sein muss, verklagen.“

Thomas Soltau, Inhaber „Landhaus Jägerhof“:
„Durch die geplante Vollsperrung war der ,Jägerhof‘ nach über 40 Jahren in Gefahr. Grundsätzlich ist das Bauvorhaben gut, sicher auch notwendig und das Resultat kann sich absolut sehen lassen, aber der Weg dahin muss anwohnerfreundlich sein.
Die Planung dieser Straßenbauarbeiten mit Vollsperrung war eine Katastrophe! Durch die Abänderung in zwei Bauphasen wird für die Kiekeberg-Region allerdings nichts besser. Im Gegenteil, diese Menschen sind für 16 Monate vom Süderelbe-Bereich komplett getrennt, können beispielsweise nicht so einfach den Neugrabener Wochenmarkt besuchen.“

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