ieben Millionen waren offenbar nicht genug: Musiker, Künstler und Gewerbetreibende aus der Bernstorffstraße. Foto: Daniel Schlegel
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Über die Zukunft des Gewerbehofs in der Bernstorffstraße 117 wird weiter gerungen: Die beiden Immobilienunternehmer Christoph Möll und Alexander Reschke, denen der Hof gehört, hatten ein Kauf-angebot des St. Paulianer Kollektivs „Viva la Bernie“ in Höhe von sieben Millionen Euro zurückgewiesen.

Die Eigentümer haben der Ini-tiative ihrerseits ein Mietangebot unterbreitet: Demnach soll die Miete – gestreckt über einen Zeitraum von drei Jahren – auf 7,47 Euro pro Quadratmeter erhöht werden. Bis zum elften Jahr soll die dann unverändert bleiben. Anschließend ist eine allmähliche Anpassung an die Inflationsrate vorgesehen.

„Bernie“ hat das Angebot abgelehnt. Ralf Gauger, Sprecher der Gruppe und Chef einer Baufirma mit 25 Mitarbeitern, erklärt gegenüber dem Elbe Wochenblatt die Hintergründe: „Was noch gar nicht gesagt wurde: Der neue Mietvertrag würde uns verpflichten, sofort in Verhandlungen zum Thema Nachverdichtung zu treten. Bei uns kann sich aber keiner vorstellen, wo hier noch ein Gebäude hinpassen soll. Nicht nur wir – auch die Anwohner sind extrem besorgt deswegen.“

Damit bleibt die Zukunft des Grundstücks mit seinen aktuell 110 Nutzern – hauptsächlich Künstler, Musiker und Gewerbetreibende – weiterhin ungeklärt. Gauger: „Die Frage ist doch: Wem gehört der Hof eigentlich? Ein paar reichen Immobilienmaklern oder einer gewachsenen Gemeinschaft, die sich seit Jahrzehnten um das Anwesen kümmert und es instandhält? Was ist wichtiger? Der Bürgerwille oder die Renditeerwartung eines Unternehmens? Darüber sollte man sich mal auch Gedanken machen.“

Das Bezirksamt Altona hat sich als Vermittler eingeschaltet: In regelmäßigen Abständen tagt ein Runder Tisch mit Mietern, Eigentümern und Bezirksamtsleiterin Liane Melzer. Das für den heutigen Mittwoch, 14. November, angesetzte Treffen wurde vom Amt allerdings abgesagt, weil die Positionen beider Parteien noch zu weit auseinander liegen. Laut Initiative habe Melzer in ihrer Absage vorgeschlagen, vor einem nächsten Runden Tisch einen Mediator einzusetzen. „Wir begrüßen diese Idee“, heißt es in der Presseerklärung der Ini.

„Wir wollten und wollen niemanden vertreiben, sondern den Verbleib der Hofgemeinschaft auf unserem Grundstück langfristig sichern. Unsere Hand bleibt deshalb ausgestreckt“, sagt Miteigentümer Christoph Reschke nach der Absage. „Wir hoffen nun auf ein konstruktives und konkretes Signal, damit wir uns zu Gesprächen über unser Mietangebot in einem vernünftigen Rahmen ohne Drohgebärden neu zusammenfinden können.“

Ralf Gauger hatte zuvor betont: „Die geplante Mieterhöhung – auch wenn sie moderat erscheint – kann sich hier letztendlich niemand leisten. Sie würde das Aus für unsere Hofgemeinschaft bedeuten. Für uns kommt jetzt praktisch nur noch ein Kauf in Frage. Weiterhin zu mieten können wir uns nicht mehr vorstellen.“

Wie berichtet, war der Gewerbehof in der Bernstorffstraße im Sommer 2017 von dem Berliner Investorenduo übernommen worden, ohne dass die zum Teil seit Jahrzehnten ansässigen Mieter im Vorfeld informiert worden wären. Seither sucht „Viva la Bernie“ nach Wegen, das drohende Aus für das Nutzerkollektiv zu verhindern. Unter anderem die Handwerkskammer, Teile der Lokalpolitik und viele 1.000 Hamburger konnten als Unterstützer gewonnen werden.

Ob die vom Senat erlassene städtebauliche Erhaltungsverordnung das Bernie-Kollektiv retten kann, bleibt abzuwarten: Darin wird lediglich festgelegt, dass „bauliche Veränderungen, die sich nicht in die vorhandene Bebauungssituation einfügen und die besondere städtebauliche Eigenart des Milieugebiets nachhaltig negativ beinflussen“, künftig vermieden werden sollen. Sprich: Neubauten müssen in etwa so aussehen und so groß sein wie die zum Teil über 100 Jahre alten Bestandshäuser. Allerdings ist der Eigentümer verpflichtet, sowohl für Abriss als auch Neubau eine gesonderte Genehmigung zu beantragen.

Die Summe von sieben Millionen Euro aufzubringen, war für die Bernie-Mieter nach eigenen Angaben „ein Kraftakt“. Über 150 private Geldgeber hatten schließlich ihre Unterstützung zugesagt. Zu den bekanntesten Mitgliedern des Kollektivs zählen die Musiker von Fettes Brot und der Künstler Rocko Schamoni.

❱❱ Internet: de.facebook.com/bernstorff117

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