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Die (Vor-)Entscheidung ist gefallen. Das Erzbistum Hamburg möchte die Katholische Schule Harburg (KSH) zu einer Grund- und Stadtteilschule entwickeln. Dafür soll die KSH nach Eißendorf umziehen und die Räume des auslaufenden
Niels-Stensen-Gymnasiums nutzen. Für die Katholische Schule Neugraben sieht das Erzbistum keine Perspektive, sie wird geschlossen.
In einem Schreiben an die Mitarbeiter der Katholischen Schule Harburg beziffert Christopher Haep, Leiter Abteilung Schule und Hochschule im Erzbistum, die Investitionskosten in Harburg für die geplante Grund- und Stadtteilschule auf 15,5 Millionen Euro.
„Diese Summe kann das Erzbistum angesichts seiner hohen bilanziellen Überschuldung nicht selbst stemmen. Um es klipp und klar zu sagen: Ohne die Hilfe von Spendern, Mäzenen und Projektentwicklern oder von staatlicher Seite wird es nicht gehen“, so Christopher Haep. Ist die Finanzierung nicht bis Ende Januar 2020 geklärt, droht auch der Katholischen Schule Harburg das Aus.

Ohne Hilfe von Spendern, Mäzenenen und Projektentwicklern oder von staatlicher Seite geht es nicht
Christopher Haep,
Erzbistum Hamburg
Leitung Schule

Warum soll die Katholische Schule Neugraben geschlossen werden? „Hauptgründe für diesen schmerzhaften Schritt sind die hohen Sanierungs- und Investitionskosten in Höhe von 25,9 Millionen Euro sowie auch das zukünftig zu erwartende laufende Defizit im Schulbetrieb“, sagt Christopher Haep.
Nach den Plänen des Erzbistums sollen im Hamburger Süden künftig die geplante Grund- und Stadtteilschule in Harburg sowie die Bonifatiusschule in Wilhelmsburg das katholische Schulangebot bilden.
An der Katholische Schule Harburg beginnt jetzt die Anmelderunde für das Schuljahr 2019/2020. Anmeldungen an
der katholischen Grund- und Stadtteilschule sind ab sofort möglich bei: Schulleiter
Michael Stüper, Katholische Schule Harburg, Julius-
Ludowieg-Straße 89, E-Mail:
sekretariat@kath-schule-harburg.kseh.de,
Tel (0 151) 64 68 77 54.
Alle interessierten Familien mit zukünftigen Vorschülern und Erstklässlern sind eingeladen zum „Tag der offenen Tür“ am Sonnabend, 24. November, von 10 bis 13 Uhr (Grundschulstandort Reeseberg). Für Familien, die ihr Kind an der Stadtteilschule in der Julius-Ludowieg-Straße anmelden wollen, bietet sich der Informationstag am Freitag, 18. Januar, von 15 bis 18 Uhr an.

 

„Sehr schlechte Nachricht
für die Christen vor Ort

Stellungnahme von Jan-Peter Kruse, dem Elternratsvorsitzenden
der Katholischen Schule Neugraben

Mit Unverständnis, Enttäuschung und Entsetzen haben die Eltern der Katholischen Schule Neugraben die angekündigte Schulschließung zur Kenntnis genommen. Besonders die mangelnde Beteiligung der Schule und der Akteure vor Ort wird heftig kritisiert. Der Elternratsvor- sitzende Jan-Peter Kruse nimmt Stellung.
„Bereits seit 2013 haben wir und die katholische Kirchengemeinde in Neugraben ständig und nachdrücklich das Angebot zum inhaltlichen Gespräch erneuert, eine gemeinsame Lösung zu finden. Seitens der Verantwortlichen im Erzbistum Hamburg ist dieses bisher ausgeschlagen worden. Auch die Stellungnahme der Schulkonferenz der KSN zu den drohenden Schliessungsabsichten wurde seit Monaten nicht beantwortet. Der Abschluss des Prozesses ist aus unserer Sicht auch aus diesen formalen Gründen gar nicht möglich.
Dabei sind uns weder die zugrunde gelegten Zahlen zum Betrieb der Schule vorgelegt worden, noch wurde der tatsächliche Investitionsbedarf vor Ort ermittelt. Die hier immer wieder vorgebrachten 25 Millionen Euro, die nun offenbar zu dieser panischen Reaktion des erzbischöflichen Wirtschaftsrates führen, zweifeln wir weiterhin in dieser Höhe an…
Ebenso sind über lange Jahre Investitionsmittel für Neugraben in andere Projekte umgeleitet worden. So sehen wir schmerzhaft, dass etwa Projekte wie der gerade abgeschlossene Ausbau der Sophie-Barat-Schule viel Geld verschlungen haben. Hier sind sogar Millionen in den Bau einer eigenen Schulkapelle investiert worden, was bei einer bekannten Knappheit von Investitionsmitteln im Erzbistum Hamburg an vorsätzliche Untreue grenzt.
Als besonders verwerflich sehen wir an, dass keinerlei Alternativen zum Ausbau der KSN als vollständige Grund und Stadtteilschule gerechnet wurden – wie etwa eine Weiterführung und Aufstockung als reine Grundschule, die zum wichtigen Angebot im Stadtteil gehört. Als Eltern sind wir entsetzt, dass diese Entscheidung leichtfertig getroffen und nicht plausibel begründet wurde. Erzbischof Dr. Stefan Heße hatte im Juli 2018 öffentlich versprochen „alles zu tun“, um eine Weiterführung zu ermöglichen. Dieses ist bei weitem nicht geschehen.
Diese nun verkündete Absicht, trotz allem die Schule nicht eigenständig weiterzuführen ist eine sehr schlechte Nachricht für den Standort, die Gemeinde und die Christen vor Ort. Nicht zuletzt wird dies auch den Nachwuchs an den weiterführenden Schulen beispielsweise in Harburg abschneiden.
Wir halten weiterhin die Bitte und das Angebot an die Verantwortlichen des Schulträgers Erzbistum Hamburg aufrecht, in einen Dialog mit der Schulkonferenz einzutreten und nach Lösungen zu suchen, die eine starke Grundschule in unserer Region ermöglichen, um den Kindern eine Zukunft zu geben, das katholische Schulsystem insgesamt zu stärken und das Ansehen der Institution Kirche nicht weiter zu beschädigen.
Die Katholische Schule Neugraben ist 1969 zunächst als Filiale der Katholischen Schule Harburg entstanden. Vielleicht könnte eine Rückbesinnung auf die Anfänge ein Denkansatz sein. Aus unserer Sicht sollte ein nicht eigenständiger Grundschulbetrieb als zweiter Standort der Harburger Schule in Neugraben ohne große Investitionsmillionen möglich sein.“

 

Stimmen zur geplanten Schließung der
Katholischen Schule Neugraben

„Schon die beschlossene Schließung des Niels-Stensen-Gymnasiums war ein Schlag für das katholische Schulsystem in Harburg, denn dadurch fehlt die gymnasiale Anschlussfähigkeit. Dass jetzt auch noch die weiterführende Schule in Neugraben-Fischbek aufgegeben wird, trocknet das System weiter aus. Jetzt kommt es darauf an, dass das staatliche Schulsystem die entstehenden Lücken qualitativ füllt.“, sagt Claudia Loss (SPD-Fraktion Harburg).

Birgit Stöver (Harburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete) meint: „Die Absicht des Erzbistums die Schule in Neugraben zu schließen, ist ein schwerer Schlag für die Betroffenen. Im wachsenden Stadtteil Neugraben muss der Senat nun weitere Grundschulkapazitäten schaffen. Dies gilt umso mehr, wenn die Kirche – nicht zuletzt auf Grund der mangelnden Kofinanzierung durch die Stadt – als Schulträger ausfällt.“ Die Unsicherheit in Bezug auf das Fortbestehen der KSH werde dazu führen, dass dort die erforderlichen Anmeldezahlen „sicherlich nicht erreicht werden.“

Sabine Boeddinghaus, Linke Bürgerschaftsabgeordnete aus Harburg, begrüßt zwar, dass dagegen die Katholische Schule Harburg mit ihrem breit genutzten Bildungsangebot erhalten wird. „Die Entscheidung für die Schließung der Schule in Neugraben wird jedoch weitreichende Folgen für den Raum Süderelbe haben. Denn angesichts der vielen geplanten neuen Wohnungen, in die weit mehr als 10.000 neue Bewohner einziehen sollen, wird auch die Zahl der Schüler vor Ort enorm steigen. Jetzt muss Schulsenator Rabe schleunigst einen Prozess anstoßen, damit die umliegenden Grundschulen die nötigen zusätzlichen Plätze anbieten können.“

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