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An den Wänden hängen Konzertgitarren, in jedem Zimmer befindet sich mindestens ein Klavier oder ein Keyboard: Seit 17 Jahren erteilt Juri Müller am Vogelhüttendeich Instrumentalunterricht für Kinder und Erwachsene. Neben Klavier und Gitarre stehen Geige, Akkordeon und verschiedene Blasinstrumente zur Auswahl.
Doch zum Jahresende dürfte damit Schluss sein – denn der Vermieter hat ihm eine Kündigung für den 31. Dezember geschickt. Der Musiklehrer, der eine weitere Schule in Harburg betreibt, ist geknickt. Nur ungern will er aus dem Viertel weg. „Die meisten unserer Schüler kommen aus Wilhelmsburg“, erklärt Müller.
Wie kam es dazu? Vordergründig geht es um einen Streit um kaputte Türen: Die Zargen sind verzogen, einige Türen schließen nicht mehr richtig. Der Hintergrund: Feuchtigkeit, die aus dem Boden aufsteigt. Eine angekündigte Mieterhöhung von 30 Prozent lehnte Müller ab. „Ich hätte nur gezahlt, wenn das repariert worden wäre“, sagt er. Doch auch die andere Seite stellte sich quer – stattdessen flatterte der Rauswurf ins Haus. Womöglich hätten die Besitzer sowieso schon damit geliebäugelt, vermutet Müller. „Es geht wohl um Eigenbedarf.“ Gegenüber dem Wochenblatt wollte sich die Besitzerin, eine Rechtsanwältin aus Groß-Flottbek, nicht äußern.

Die meisten
unserer Schüler kommen aus
Wilhelmsburg
Juri Müller,
Musiklehrer

Die Schule hat einen gewerblichen Mietvertrag. Das bedeutet: Mieterhöhungen wie auch Kündigungen können jederzeit ausgesprochen werden, solange im Vertrag nichts anderes festgehalten ist. Stefan Schmalfeldt, Leiter der Rechtsabteilung beim Mieterverein zu Hamburg, rät daher zu Verhandlungen. „Wenn es nur um Reparaturen geht, kann man sich vielleicht noch einigen“, meint er.
Ob man auf der Elbinsel etwas Neues, Vergleichbares finden könne, vermag der Berater jedoch nicht zu sagen: „Es kommt auf die Größe an, auf den Zweck. Wenn es sich um eine Musikschule handelt, hat man zusätzlich das Problem mit dem Lärm“, so Schmalfeldt.
Letztendlich hat Juri Müller Glück gehabt: Die Bonifatiusschule im Stadtteil hat ihm angeboten, ihre Räume mitzunutzen. Schon im Januar kann es losgehen – für 20 Stunden pro Woche. „Damit kommen wir erstmal aus“, meint er.

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