Seit der schweren Sturmflut 1962, bei der allein in Wilhelmsburg 315 Menschen starben, verstehen die Menschen auf der Elbinsel beim Thema „Deichsicherheit“ keinen Spaß. So ist es aufmerksamen Spaziergängern aufgefallen, dass der lange und trockene Sommer an den Wilhelmsburger Deichen nicht spurlos vorübergegangen ist. Insbesondere am Klütjenfelder Hauptdeich zwischen Spreehafenknick und Ernst-August-Schleuse hat der Deich auf seiner gesamten Länge Risse, die meist 40 Zentimeter tief sind. Einige Risse gehen sogar 60 Zentimeter tief in in die Grasnarbe, die eigentlich geschlossen und fest sein sollte.
„Auf der letzten Deichschau am 2. Oktober waren sich die Experten einig, dass die tiefen landseitigen Risse eine Gefahr darstellen, wenn das Wasser bei einer Sturmflut so hoch steigen sollte, dass es über die Deichkrone schwappt. Diese Risse müssen kurzfristig noch vor der Hauptsturmflutsaison im November mit einem Klei-Wassergemisch aufgefüllt und verpresst werden“, fordert die Wilhelmsburger SPD-Bezirksabgeordnete Kesbana Klein. Sind die Deiche wegen der Risse nicht sicher? Das Wochenblatt hat bei Björn Marzahn, dem Sprecher der zuständigen Umweltbehörde nachgefragt.

Risse im Klütjenfelder Deich – wie kann das passieren? „Die Risse sind der Deichaufsicht bekannt. Risse unterschiedlicher Länge, Tiefe und Breite finden sich an mehreren Stellen des Deiches, innerhalb der reinen Kleifläche und auch an Übergängen verschiedener Materialien, zum Beispiel Betondeckwerk zur Kleidichtung. Diese Kleidichtung hat als Regelaufbau in Hamburg eine Mächtigkeit von 1,3 bis 1,5 Meter. Auch unter Berücksichtigung der tiefsten, bislang festgestellten Risse bleibt eine intakte Kleiabdeckung von rund einem Meter wirksam.
Die Risse sind auf den extrem trockenen Sommer zurückzuführen und bei den Wetterverhältnissen nichts Ungewöhnliches.“

Wurden ähnliche Risse auch an anderen Deichen festgestellt? „Diese Art von Rissen gibt es an diversen Stellen der hamburgischen Deiche, nicht nur in Hamburg, auch jenseits der Landesgrenzen.“

Beeinträchtigen die Risse die Deichsicherheit? „Die Deiche sind weiterhin durch eine mächtige, intakte Kleiabdeckung von mindestens einem Meter geschützt, so dass eine Gefährdung nicht besteht. Grundsätzlich verschließen sich Risse aus dem Erdbaustoff Klei nach einer erneuten, ausreichenden Befeuchtung wieder, besonders tiefe und breite Risse werden darüber hinaus in Hamburg mit einem Klei-/Wassergemisch verpresst, um Wühltieren keine Angriffspunkte zu bieten und kurzfristig eine homogene Oberfläche wieder herzustellen.“

Wann werden diese Risse beseitigt? „Mit den Arbeiten zum Verpressen der besonders breiten Risse wurde bereits begonnen.“

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