Bringt Erfahrungen aus zehn Jahren Werbegrafik in seine aktuellen Arbeiten ein: Künstler „mittenimwald“. Foto: KP Flügel

KP Flügel, St. Pauli
Erotische Frauenmotive, Ikonen des Punks wie Siouxsie Sioux und des Heavy Metals wie Lemmy von Motörhead, und Plakatmotive in Werbeästhetik von Triumph Motorcycles zieren seit Mitte August die Fassade der Musikbar Eldorado in der Wohlwillstraße 50 auf St. Pauli. Gestaltet hat sie der „Stencil Art“- also Schablonen-Künstler „mittenimwald“, der mit bürgerlichem Namen Andreas Jakobs heißt.

„Es ist eine Auftragsarbeit“, erzählt er. Seine Kunst solle dazu dienen, dass hier keine Graffiti mehr aufgesprüht werden. Denn die, die hier vorher ungefragt angebracht wurden, missfielen den Barbetreibern und dem Hauseigentümer. Die ausgewählten Motive sind nicht nur dekorativ. Da verbindet er die Message „Fight Government“ nicht mit einem typisch aggressiven Rebellengesicht, sondern mit einer erotischen tätowierten Frau. Unübersehbar die Verbindung von Erotik und politischem Statement.

„Ja, eine starke Frau macht eine Aussage… Der Vermieter hat darauf bestanden, dass die Motive keine großen politischen Aussagen und keinen Sexismus enthalten sollen.“ Normalerweise mache er stärkere Statements, die gäbe es hier nicht. Alles sei sehr dekorativ, aber natürlich schaue er, dass eine gewisse Aussage noch in den Motiven enthalten sei. Eine Gratwanderung.

Immer wieder
Frauenbilder

Andreas Jakobs hat zehn Jahre als Werbegrafiker gearbeitet. Daher liegt es für ihn nahe, die plakative Bildsprache der Werbung zu verwenden und ihr etwas Gegensätzliches hinzuzufügen. Immer wieder greift Andreas Jakobs das Motiv der attraktiven Frau im Burlesque-Outfit auf, die er „stark und sinnlich, nie unterwürfig“ darstellt.

Auf einem Bild ist eine Cola trinkende Frau im Rockabilly-Style zu sehen. Für ihn eine starke Werbeperson. Bei genauerem Hinschauen ist zu entdecken, dass auf ihrer Flasche nicht das bekannte Logo eines Getränkeherstellers zu sehen ist, sondern das Wort „Death“. „Die Frau will genießen, sie trinkt aber den Tod.“

Ebenso hat er es sich nicht nehmen lassen, ein Paar im typischen Autonomen-Outfit abzubilden. Das sollen Anwohner sein, die in diesem Style auch sonst durch das Viertel laufen. „Das ist der Widerspruch, den die Politik nicht verstanden hat, dass wir hier ganz normal leben wollen, und man uns keinen G20-Gipfel vor die Nase setzen durfte. Was daraus geworden ist, haben wir alle gesehen.“
Mehr Motive von mittenimwald sind im St. Pauli Office in der Wohlwillstraße 1 zu sehen.

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