Von Wolfgang Wittenburg.

Ob Cornelius-Gemeinde Fischbek, Erlöser-Gemeinde Vahrendorf, Michaelis-Kirchengemeinde Neugraben, St. Pankratius-Kirchengemeinde Neuenfelde, Kirchengemeinde St. Maria Magdalena Moorburg, Thomas-Kirchengemeinde Hausbruch oder St. Nikolai zu Finkenwerder: An allen sieben Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinden in Süderelbe nimmt die Zahl der Mitglieder beständig ab.
Eine Entwicklung, die nicht ohne Auswirkungen geblieben ist und bleiben kann. Der Rotstift regiert, Aufgaben müssen gebündelt werden. Reicht das Geld, um alle Kirchengebäude zu erhalten? Müssen Kirchengemeinden, wie bereits in Harburg geplant, ihre Eigenständigkeit aufgeben und sich zusammenschließen?
Beim zuständigen Kirchenkreis Hamburg-Ost waren sämtliche Gebäude in drei Kategorien eingeteilt worden. Die Synode hat beschlossen, die Sanierung von Gebäuden der Kategorie C nicht mehr aus Kirchenkreismitteln zu unterstützen. „In Süderelbe betrifft das die Corneliuskirche“, sagt Kirchenkreis-Sprecher Remmer Koch.
Macht ein Zusammenschluss von Kirchengemeinden Vorteile für die Mitglieder? Remmer Koch: „Ja, das ist durchaus möglich, weil man gemeinsam mehr bewegen kann. So können beispielsweise Gruppen und Chöre entstehen, die in nur einer Gemeinde zu klein oder gar nicht aktiv wären. Auch können sich zwei oder mehrere Gemeinden zusammen hauptamtliche Mitarbeitende leisten, aber nicht jede für sich allein. Ebenso können Schwerpunkte in den Gemeinden festgelegt werden, so dass nicht jede Gemeinde alles bearbeiten muss.
Das sind beispielhafte Vorteile für eine Region, in der die Gemeinden kooperieren. Für Mitglieder kann dies eine verlässliche Auswahl an diversen kirchlichen Angeboten bedeuten. Diese Vorteile gelten natürlich auch, wenn aus zwei Gemeinden eine wird. Dann jedoch kommt noch hinzu, dass sich auch die leitenden Gremien zusammenschließen.“

 Stellungnahme von Pastor Gerhard Janke

Zum Thema „Zusammenschluss von Kirchengemeinden“ sagt Gerhard Janke, Pastor in der Cornelius-Gemeinde Fischbek:
„Über Fusionen denkt man in der evangelischen Kirche nach, seitdem sich die leitenden Gremien Rat bei Unternehmensberatern aus der Wirtschaft holen. Die Wirtschaft liefert sehr viele Beispiele wie Fusionen funktionieren: oft dienen sie der Institution, oft nutzen sie der Leitung, oft sind sie zum Nachteil der Mitarbeitenden, oft verschlechtern sie Angebot und Service für die Zielgruppe.
Leuchtende Beispiele, wie Gemeindefusionen zur Verbesserung kirchlicher Arbeit führten, sind mir nicht bekannt. Weil die Voraussetzungen an verschiedenen Orten unterschiedlich sind, können Gemeindefusionen kein Allheilmittel sein. Jede Gemeinde muss die Chancen und Nachteile prüfen und abwägen.
Die Cornelius-Gemeinde arbeitet erfolgreich und gern mit den Nachbargemeinden zusammen – das soll auch in Zukunft so sein. Eine Fusion aber verspricht keinen Nutzen für die kirchlichen Angebote in Fischbek.“

 

Stellungnahme von Pastorin Susanne Lindenlaub-Bork

Zum Thema „Zusammenschluss von Kirchengemeinden“ sagt Susanne Lindenlaub-Borck, Pastorin in der Thomasgemeinde Hausbruch- Neuwiedenthal-Altenwerder:  „Eine Kirchengemeinde ist wie eine ‚Herberge am Wege‘. Menschen aller Generationen finden dort eine Heimat auf Zeit und Begleitung in Lebensübergängen und Lebenskrisen.
Sie brauchen dafür Menschen, die verlässlich für sie und ihre Fragen da sind und einladende Räume, in denen gute Erfahrungen von Gemeinschaft und Trost möglich sind.“

Aber wann macht ein Zusammenschluss von Kirchengemeinden Sinn?
„Wenn eine Kirchengemeinde zu klein wird und die Kirchensteuerzuweisungen für die Mitarbeitenden nur noch für 50 Prozent Stellen oder noch weniger reichen, wenn die Kosten für die Gebäudeunterhaltung immer höher werden und keine Spielräume für inhaltliche Arbeit mehr da sind, wenn die Sorgen um die eigene Gemeinde so groß werden, dass man sich vor allem mit sich selbst beschäftigen muss, dann macht der Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde in der Nähe Sinn.“

Bringt ein Zusammenschluss Vorteile für die Mitglieder?
„Ein Zusammenschluss von Kirchengemeinden ist immer mit Abschied von vertrauten Räumen und Menschen verbunden.
Was man durch den Zusammenschluss gewinnt, kann nur erfahrbar werden, wenn dieser Verlust wahrgenommen und in einem gemeinsamen Trauerprozess bearbeitet wird.
Dann kann eine größere Kirchengemeinde zu einer einladenden ‚Herberge am Weg‘ für alle werden, die dort einen Platz suchen.
Mitarbeitende mit auskömmlichen Stellen können verlässlich für andere da sein und Räume öffnen für eine Vielzahl von Aktivitäten, auch von freiwillig Mitarbeitenden auf Zeit.
Das Geld, um eine schöne Kirche und ein gut ausgestattetes Gemeindehaus zu finanzieren, ist vorhanden, und die Gemeinde kann sich für den Stadtteil und die Menschen öffnen, die dort auch noch leben und nicht zur Gemeinde gehören.
Das ist nicht nur ein Vorteil für die Mitglieder, sondern für alle.

Überblick

Cornelius-Gemeinde
Fischbek
Mitglieder: 2.966; vor zehn Jahren 3.727.
Mitarbeiter: 8 (2013: 6). Pastor Gerhard Janke ist seit Ende 1987 da. Eine halbe Stelle nach Weggang von Pastorin Corinna Senf vakant.

Michaelis-Kirchegemeinde Neugraben
Mitglieder: 5.462 (2008: 6.421).
Mitarbeiter: 8 (2013: 11).
Pastorin Bettina von Thun (seit Mitte 1996), Pastor Christoffer Sach (seit Ende 2013).

St. Pankratius-Kirchen-
gemeinde Neuenfelde
Mitglieder: 2.066 (2008: 2.355)
Mitarbeiter: 8 (2013: 10). Pastoren-Stelle vakant. Mitversorgt durch Finkenwerder.
Kirchengemeinde
St. Maria Magdalena Moorburg
Mitglieder: 370 (2008: 443)
Mitarbeiter: 3 (2013: 2). Mitversorgt durch Finkenwerder.

Thomas-Kirchengemeinde Hausbruch
Mitglieder: 4.433 (2008: 5.625)
Mitarbeiter: 6 (2013: 9).
Pastorin Susanne Lindenlaub-Borck (seit Mitte 1983), Pastor Ulrich Krüger (seit seit Ende 1993) und Pastor Dirk Outzen (seit Ende 2000).

Erlöser-Gemeinde
Vahrendorf
Mitglieder: 1.175 (2008: 1.349)
Mitarbeiter: 8 (2013: 9).
Pastoren-Stelle vakant, Vertretungspastorin Dr. Annegret Reitz-Dinse.

St. Nikolai zu
Finkenwerder
Mitglieder: 3.374 (2008: 4.222)
Mitarbeiter: 4 (2013: 3).
Pastorin Daniela Stieglitz (seit 2015), Pastor Torsten Krause (seit Ende 2013).

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