Vor der Hamburgkarte: Michael Neumann, der Chef des LKA 19 Castle. Foto: stahlpress

Volker Stahl, Hamburg
Wenn die Tage kürzer werden, werden sie für Michael Neumann und sein 40-köpfiges Team immer länger. Denn jetzt beginnt für Hamburgs obersten Einbruchsermittler die heißeste Phase im Jahr – im Herbst haben Einbrecher im Schutz der Dunkelheit Hochkonjunktur. „Demnächst erwarten wir einen signifikanten Anstieg der Zahlen um rund 30 Prozent“, konstatiert der Chef des Landeskriminalamtes LKA 19 Castle, „Kernzeit ist der November, das liegt an der Zeitumstellung“, wenn es früher dunkel wird.

Zu Beginn des Gesprächs im sechsten Stock eines Bürogebäudes am Überseering (City Nord) wirft der Kriminalrat ein Stück Plastik auf den Tisch. Das Teil sei fachgerecht aus einer Getränkeflasche herausgeschnitten worden, erklärt Neumann: „Ein sogenannter Flipper, der bei einem Einbruch zum Öffnen der Tür diente.“ Und schon sind wir mittendrin im Thema. Sein Rat: „Beim Verlassen des Hauses die Tür immer abschließen und nicht nur ins Schloss fallen lassen.“ Sonst könne sie vom einem Profi mit einem Flipper in Sekundenschnelle geknackt werden.

In Hamburg geschieht das täglich. Im Jahr 2015 wurden 9.006 Einbrüche in Wohnungen angezeigt, 2016 zählte die Polizei 7.150 und 2017 nur noch 5.769 Taten – dank der Gründung der Soko Castle, die im Frühjahr in eine normale Dienststelle (LKA 19 Castle) übergeführt wurde, ein Rück-gang um 35,9 Prozent. Auch in diesem Jahr waren die Zahlen von Januar bis Juli weiter rückläufig, doch im August und September stiegen sie wieder an.
Neumann blättert in seinen Unterlagen und zieht mit einem Stift einen Kreis um drei Zahlen auf der nach Tagen unterteilten Einbruchstatistik für September und Oktober: 13 – 25 – 10. „Klare Sache, hier haben wir es mit reisenden Tätern zu tun“, sagt er. Für andere Tage weist die Liste vier, fünf und zweimal sechs Einbrüche in der Hansestadt aus. „Das deutet eher auf Gelegenheits- oder Intensivtäter hin.“ Alle Tätergruppen hätten es vor allem auf Bargeld, Münzen und Schmuck abgesehen, so Neumann. Würden Spielekonsolen oder kleine IT-Produkte entwendet, handle es sich meist um Jugend- oder Beschaffungskriminalität.

Michael Neumann ist ein erfahrener Polizist, der im kommenden Jahr sein 40-jähriges Dienstjubiläum feiert. Angefangen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner 1979 als Schutzpolizist, später wechselte er zur Kriminalpolizei, wo er sich auf die Organisierte Kriminalität spezialisierte und unter anderem gegen einen stadtbekannten Familienclan ermittelte.

Es folgten vier Jahre als Leiter der örtlichen Kommisariate in Billstedt und der Innenstadt, schließlich übernahm er am 1. April als Nachfolger der erfolgreichen Alexandra Klein die „Soko Castle“, die heute als eigene Dienstelle unter der Bezeichnung „LKA 19 Castle“ firmiert.

Jeden Morgen um 9.45 Uhr treffen sich 20 bis 30 Polizeibeamte in einem Konferenzraum zur Lagebesprechung. Dann blitzen an eine elektronischen Tafel Sterne auf, die die Einbruchsversuche und Tatorte anzeigen – auch die im südlichen Schleswig-Holstein und Nordniedersachsen.

„Gestern hatten wir in Altona sechs oder sieben Fälle“, berichtet Neumann, der sich mit immer professioneller agierenden Tätern herumplagen muss. Immer häufiger gingen gut gekleidete und bestens vorbereitete Frauen auf Einbruchstour: „Oft sind sie noch minderjährig und werden in Hostels, Airbnb-Wohnungen oder bei Verwandten untergebracht.“

Als nützlich hat sich bei der Verfolgung reisender Tätergruppen, die für die meisten Taten verantwortlich sind, die Zusammenarbeit mit den zuständigen Polizeistellen in den angrenzenden Bundesländern erweisen. „Wir schauen genau hin, was beispielsweise in Eidelstedt und im angrenzenden Halstenbek passiert“, sagt Neumann. Übrigens: Wer dort oder woanders in der Nähe von U- und S-Bahnstationen, Ausfallstraßen oder Autobahnen wohnt, trage ein deutlich höheres Einbruchsrisiko, warnt der Experte!


Wichtige Tipps

1. Achten Sie auf Ihre Umgebung
2. Melden Sie auffällige Personen und Fahrzeuge der Polizei: Telefon 110
3. Fenster und Türen verschließen, nicht nur ins Schloss fallen lassen
4. Sichern Sie Ihr Haus/Ihre Wohnung gemäß Widerstandsklasse 2 (15 Minuten)
5. Bewegungsmelder installieren
6. Kletterhilfen nicht sichtbar am Haus lagern (Regentonne, Tisch, Stuhl, Leiter)
7. Bei längerer Abwesenheit: Nachbarn bitten, täglich den Briefkasten zu leeren
8. Zeitschaltuhren aufstellen
9. Soziale Medien: In größeren virtuellen Gruppen keine Urlaubsbilder posten
10. Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle aufsuchen (Caffamachereihe 4, 20355 Hamburg) VS

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here