Wohnt in einem Eidelstedter WG-Zimmer: Ahmad Atfeh. Von dort kann der Jurastudent mit dem Bus zur Uni fahren. Foto: mg

Matthias Greulich, Eidelstedt
Als er Rüdiger Kruse trifft, wartet Ahmad Atfeh auf das Ergebnis seiner Masterarbeit zum Thema „Haftung für Schäden beim Autonomen Fahren“. Der Jurist aus Syrien wohnt in einem WG-Zimmer in Eidelstedt, sein Studium finanziert er durch eine Teilzeitstelle bei Stadtkultur Hamburg. Dort hat er als Geflüchteter den Bundesfreiwilligendienst geleistet und Fortbildungen besucht.

Es ist sehr viel, was Atfeh in einer Arbeitswoche zu erledigen hat. „Der Kurs zum Thema Zeitmanagement war daher sehr wichtig für mich“, sagt der 31-Jährige.
Rüdiger Kruse ist als CDU-Bundestagsabgeordneter ins Eidelstedter Bürgerhaus gekommen, um Mitarbeiter verschiedener Einsatzstellen und Freiwillige wie Atfeh zu treffen. Der Syrer berichtet Kruse in nahezu akzentfreiem Deutsch, wie ihm die Zeit als „Bufdi“ geholfen hat, in Hamburg Fuß zu fassen.

Ob es auch in Zukunft Geflüchtete im Freiwilligendienst geben wird, wird gerade entschieden. Als Mitglied des Haushaltsausschusses des Bundestages berät Christdemokrat Kruse über die Bereitstellung des dafür nötigen Geldes mit seinen Kollegen. Bislang gab es das „Welcome“-Sonderprogramm, in das seit 2015 50 Millionen pro Jahr geflossen sind (siehe Infotext). Es läuft zum 31. Dezember aus. 2019 ist geplant, das Programm in den üblichen Freiwilligendienst „zu überführen“, wie es heißt.

„Wichtige Brückenfunktion“
der geflüchteten Bufdis

„Wie hat man in ihrem Umfeld darauf reagiert, dass Sie sich freiwillig engagieren?“, will Kruse wissen. „Die meisten finden es gut“, sagt Atfeh. Gastgeber Holger Börgartz vom Eidelstedter Bürgerhaus bestätigt, dass die „Bufdis“ eine „wichtige Brückenfunktion zu den jeweiligen Communities“ ausfüllen. Homayoon Pardis, der als Freiwilliger im Bürgerhaus arbeitet (das Elbe Wochenblatt berichtete) kann simultan Farsi ins Deutsche übersetzen. Gemeinsame Projekte für Geflüchtete und alteingessene Eidelstedter lassen sich so leichter auf die Beine stellen.

Für die anstehenden Haushaltsberatungen versprach Kruse, sich weiter für Geflüchtete im Bufdi-Programm einzusetzen. „Aber“, so Kruse, „es ist wichtig, dass wir dort eine möglichst breite Zustimmung hinbekommen.“

Ahmad Atfehs Augen hinter den Brillengläsern strahlen, während er die Diskussion verfolgt. Viele Einblicke in das Alltagsleben seiner neuen Heimat hat er als Bufdi gewonnen. „Ich habe mit den anderen Freiwilligen eine Rundreise durch Hamburg gemacht und viel Neues kennengelernt“, sagt er. Er hat den Sommer also nicht nur zum Lernen in der Bibliothek genutzt. Am Handgelenk trägt Atfeh ein Band vom Wutzrock-Musikfestival in Bergedorf. „Das war sehr schön.“

Welcome
Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes Welcome konnten sich Geflüchtete ab 23 Jahren, die eine Aufenthaltsgenehmigung beziehungsweise in Hamburg einen Asylantrag gestellt haben, bislang für sechs bis 18 Monate in Kultur- und Bildungsorten mit 20,5 Stunden engagieren. Sie erhalten ein Taschengeld von bis zu 200 Euro monatlich und sind sozialversichert. Sie nehmen an speziellen Fortbildungs- und Sprachtrainings teil, EW

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