Die städteplanerische Entwicklung des Veringkanals beschäftigt neuerdings auch Studenten: „Lifeline“ – so heißt die Masterarbeit von Paul Pöthke, Hafen-City-Uni-Absolvent im Fach Architektur. Ein komplettes Semester hat er seiner Abschlussarbeit gewidmet, die sich mit einer möglichen Nutzung des Wilhelmsburger Gewässers als „Kulturkanal“ befasst. Pöthkes Idee ist ein Mix aus Wohnungen, Bürogebäuden, Gewerbeflächen und kulturellen Einrichtungen. „Man muss den Veringkanal als Lebensader begreifen“, sagt er.
Zu sehen war das Architekturmodell kürzlich bei einer „Pegelstand“-Veranstaltung des Vereins Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg, die in den Zinnwerken über die Bühne ging. Zu dem Abend waren ebenfalls etliche Förderer und Fürsprecher eines „Kulturkanals“ gekommen: „Wenn jetzt nicht zügig Entscheidungen getroffen werden, wird man hinterher sagen: Ach nee, das lohnt sich nicht mehr! Da erwarte ich von der Politik klare Signale“, sagte etwa der frühere Projektkoordinator der Internationalen Bauausstellung Gottfried Eich.

Man muss den Veringkanal als Lebensader
begreifen
Paul Pöthke,
Hafen-City-Uni-
Absolvent Architektur

Stadtplaner Dieter Läpple bezeichnete die Kultur als „Motor der Stadtentwicklung“: „Ich halte es für einen absoluten Glücks-fall, dass sich hier am Veringkanal die richtigen Akteure gefunden haben“, sagte er. Läpple regte eine Änderung des Planungsrechts an. Bisher sind sämtliche Flächen am Veringkanal entweder als Industrie- oder als Gewerbegebiet ausgewiesen. Wohnen und kulturelle Nutzungen sind damit zumindest problematisch – wenn nicht sogar illegal.
Eine Möglichkeit wäre, einen Teil der Grundstücke als „urbanes Gebiet“ zu deklarieren. Dabei handelt es sich um eine im letzten Jahr ins Leben gerufene Regelung, die das Bauen mit „urbanen Mischungen und Dichten“ erlaubt. Sprich: Gewerbe, Industrie, Wohnen, Einzelhandel und Kultur sind in direkter Nachbarschaft erlaubt. Allerdings will der Bezirk von einer solchen Ausweisung bislang nichts wissen: „Das Bezirksamt sieht momentan keine Veranlassung, das geltende Planungsrecht zu verändern“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte.

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