Langsamer geschwommen als geplant - und trotzdem zufrieden: Philippe Geuer nach der Masters-EM im Bleder See (Slowenien). Foto: pr

Ch. v. Savigny, Eidelstedt
Es sollte ein Neustart werden. Und es wurde einer – wenn auch anders als gedacht: Bei der Masters-Europameisterschaft im Langstreckenschwimmen, die gerade in Slowenien zuende ging, hat der Triathlet Philippe Geuer (43) einen respektablen 34. Platz erreicht. Sein Plan, die angepeilte Strecke von fünf Kilometern in weniger als einer Stunde zu absolvieren, ging zwar nicht auf – Geuer brauchte rund 20 Minuten länger.

Dafür brachte der 43-Jährige einige Erkenntnisse mit nach Hause, die ihm weitaus wichtiger waren als die Zeit. „Das Ganze hat mich mir selbst wieder ein Stück näher gebracht“, sagt er. „Ich kann wieder kämpfen und an mich glauben.“ Auch von der Atmosphäre am idyllisch gelegenen „Bleder See“ zeigt sich der Sportler begeistert: „Das hat wieder einmal gezeigt, dass Menschen egal welcher Nation und Herkunft friedlich, fröhlich und mit viel Spaß zusammen sein können.“

Seine Leistung beeindruckt um so mehr, wenn man bedenkt, dass Geuer vor fünf Jahren beim Radtraining in eine schweren Unfall verwickelt wurde (das Elbe Wochenblatt berichtete). Diagnose: Schulter kaputt – so gut wie sämtliche Muskeln und Sehnen waren abgerissen. Zwar heilten die Verletzungen, aber der Arm blieb auf Dauer taub. Der frühere Ausnahmesportler – mehrtägige Wüstenmarathons und ein Rhein-Längsdurchquerung über 110 Kilometer inklusive – verfiel in Depressionen und nahm 30 Kilo zu.

„Ich dachte mir: Bleib ruhig und mach dein Ding“

Dank psychotherapeutischer Hilfe und moralischer Unterstützung durch Freunde ging es Ende 2017 wieder aufwärts. Geuer trainierte und schwamm bis zu 60 Kilometer pro Woche im Poseidon-Schwimmbad. Bei Wettkampf selbst fühlte er sich zwar nervös, aber körperlich gut vorbereitet – auch wenn er einen Teil seiner Konkurrenten gleich zu Beginn davonziehen lassen musste: „Ich dachte mir: Bleib ruhig und mach dein Ding“, berichtet er.

Später wechselten sich er und ein Mitstreiter mit der Führungsarbeit ab. „Ich genoss die letzten Meter im klaren Wasser“, erzählt er. „Durch meine vielen Kilometer im Training war ich zwar nicht schnell unterwegs, konnte aber mein Anfangtempo mühelos bis ins Ziel schwimmen.“
Fazit: Für Philippe Geuer wird es in jedem Fall sportlich weitergehen. „Ich trainiere genauso wie bisher“, sagt er. Nächstes Ziel sei die Masters-WM 2019 in Korea.

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