Empört über die Klimapolitik der Bundesregierung: Luisa Neubauer. Foto: Wanda von Bremen

Matthias Greulich, Iserbrook
Ihr Hashtag lautet #DieZukunftSindWir. Luisa Neubauer (22) ist Initiatorin des offenen Briefes der Jugend an Bundesregierung und verantwortliche Politiker, den insgesamt rund 100 Gremien, Vereine, Personen und Stiftungen unterschrieben haben.

Anlass war die bevorstehende Rodung des Hambacher Waldes in Nordrhein-Westfalen. Die Rodung wurde zwar mittlerweile vom Oberverwaltungsgericht Münster vorläufig gestoppt, doch der Brief zieht immer weitere Kreise. „Wir sind gerade erst am Anfang“, sagt Neubauer, die in Iserbrook aufwuchs und ihr Abitur am Marion Dönhoff Gymnasium gemacht hat.

Neubauer schreibt: „Viele von uns werden bis an das Ende des Jahrhunderts leben. Angesichts der bekannten Klimaentwicklungen und der kontinuierlichen Überschreitung planetarer Grenzen ist es mehr als ungewiss, in welchem Zustand die Umwelt Ende des Jahrhunderts sein wird.“ Schon jetzt wisse man, dass der Klimawandel nicht rückgängig zu machende Schäden verursache. „Das gilt auch in einer Welt ohne Donald Trump“, sagt Neubauer. Selbst unter optimistischen Berechnungen werde das Weltklima ein anderes sein und die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen weltweit bedrohen.

„Der Aspekt der Dringlichkeit ist vielen bewusst geworden“

Momentan studiert Neubauer Geographie in Göttingen, „immer mal wieder“ lebt sie zwischendurch im Hamburger Westen. Egal wo sie ist, kommt sie mit vielen Jugendlichen ins Gespräch. In den vergangenen Monaten habe sich bei vielen in ihrer Generation etwas verändert. „Der Aspekt der Dringlichkeit, etwas gegen den Klimawandel zu tun, ist angekommen. Viele fühlen das. Es kommt immer stärker ins Bewusstsein“.

Dass der Energiekonzern RWE einen jahrhundertealten Wald roden lassen will, um klimaschädliche Kraftwerke mit billiger eigener Braunkohle zu betreiben, ist in kurzer Zeit zum Symbol einer nur auf kurzfristige Interessen gerichteten Energiepolitik geworden. Zehntausende protestierten, nachdem das Demonstrationsverbot vom Verwaltungsgericht Aachen aufgehoben worden war. „Wir werden den Weg mit unglaublicher Kreativität weiterverfolgen“, so Neubauer.

Neubauers Generation hat es schwerer als Jugendliche, die in Zeiten des kalten Krieges aufwuchsen. „Die Herausforderungen sind komplexer geworden. Was uns droht ist ja auch schwer vorstellbar.“
Auf die Frage, ob sie diese Denkweise in Konzernzentralen und Regierungen wütend mache, bleibt Luisa Neubauer am Telefon beherrscht. „Wütend nicht. Es empört und entrüstet mich. Ich finde es hanebüchen und unverständlich“, sagt sie mit ruhiger Stimme. Menschen, die solche Entscheidungen treffen, müssten sich gegenüber der jungen Generation rechtfertigen.

Brief der Jugend
Der vollständige offene Brief „Die Zukunft sind wir. Betrifft Generationengerechtigkeit im Hambacher Wald“ steht online beim Bund unter
❱❱ DieZukunftSindWir.pdf

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