Das Kohlekraftwerk Wedel soll bis 2022/23 vom Netz gehen. Foto: BUE

Folke Havekost, Hamburg-West
Zum 1. Januar 2019 kauft Hamburg die Mehrheitsanteile von Vattenfall am Fernwärmenetz zurück. Für rund 950 Millionen Euro ist die Stadt damit alleinige Eigentümerin an den gut 830 Kilometern Rohren, die Fernwärme in die Hamburger Haushalte befördern. Hamburg verspricht sich vom Kauf auch einen forcierten Umstieg auf umweltfreundliche Energien.

Aber was ist Fernwärme eigentlich, und wer kann sie nutzen?
In gewisser Weise stellt das Fernwärmesystem eine riesige Zentralheizung dar. Die Rohrleitungen transportieren Wasser, das vor allem in den Kraftwerken Wedel und Tiefstack erhitzt wird, in die Haushalte. Weil im Zuge der Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt wird, geht im Umlaufprozess weniger Energie verloren als bei anderen Techniken.

Fernwärme verfügt daher über einen sehr hohen Nutzungsgrad von rund 85 Prozent – zumindest in großen Städten wie Hamburg, in denen mit vergleichsweise wenig Rohrkilometern sehr viele Haushalte versorgt werden können. Je nach Heizbedarf kann die gelieferte Wärme über die Wassermenge und die sogenannte Vorlauftemperatur gesteuert werden.

2015 wurden 463.187 Wohneinheiten aus dem zentralen Fernwärmenetz mit 5000 Gigawattstunden Strom und 3761 Gigawattstunden Wärme versorgt. „Fernwärme ist vor allem in der inneren Stadt verfügbar, also im Bereich zwischen Steilshoop und der Hafencity sowie zwischen Altona und Horn“, erklärt Jan Dube von der Behörde für Umwelt und Energie.

Die zuständige Wärmegesellschaft VWH plane derzeit mit einem Wachstum von rund 7.000 Wohneinheiten pro Jahr. „Aktuell ist es das Ziel, die Fernwärme im Zuge des Entwicklungskonzepts ‚Stromaufwärts an Elbe und Bille’ auch verstärkt im Hamburger Osten anzubieten“, sagt Dube: „Infrastrukturentwicklungen für ganze Viertel und Stadtteile sind aber immer ein langfristiges Projekt.“
Das Unternehmen Urbana Energietechnik beliefert etwa 7.000 Wohneinheiten in Mümmelmannsberg, die RWE-Tochter Innogy 5.000 Wohneinheiten in Lohbrügge-Nord.

Wo bei Neubauten oder Sanierungen ein Anschluss an Fernwärme möglich ist, wird er gefördert. Mehr als 70 Prozent der von der Hamburgischen Investitions- und Förderbank unterstützten Projekte sind mit Fernwärme verbunden.

Aber lohnt sich das Ganze?
Während CDU und FDP den Kaufpreis als überhöht kritisierten und vor höheren Energiekosten für die Verbraucher warnten, bekräftigte der grüne Umweltsenator Jens Kerstan: „Das gesamte Geschäftsmodell ist so gerechnet, dass es zu keinen Preiserhöhungen für die Kunden kommt, die über Gas- oder Ölpreise hinausgehen.“
Effizient ist Fernwärme in Metropolen sicherlich. Wie umweltfreundlich die Energieversorgung ist, liegt aber in erster Linie daran, auf welche Weise die Wassermassen als Energieträger erhitzt werden.

In den Kraftwerken Wedel und Tiefstack wird derzeit noch Kohle verbrannt, dies soll sich bis 2025 unter anderem durch eine geplante Fernwärmeleitung unter der Elbe („Südvariante“) ändern, in die Industrieabwärme eingespeist werden könnte.
„Wir peilen an, das Kohlekraftwerk Wedel bis 2022/23 vom Netz zu nehmen und durch dezentrale und größtenteils Erneuerbare Energiequellen zu ersetzen“, skizziert Umweltbehörden-Sprecher Dube: „2025 soll dann das Kraftwerk Tiefstack umgerüstet und ohne Kohle betrieben werden.“
Das Kraftwerk Moorburg wird nicht an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Informationen über die vom Fernwärmenetz erreichten Gebiete liefert das Hamburger Wärmekataster, das im Internet abrufbar ist
❱❱ www.geoportal-hamburg.de/waermekataster

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