In schlechtem Zustand: Das Stahl Tragwerk der Rotunde steht unter Denkmalschutz, der Rest der Schilleroper nicht. Foto: Schneider

Von Mateo Schneider. Die vollmundigen Ankündigungen klingen in den Ohren noch nach. „Extrem frühzeitig“ solle über die weiteren Planungen informiert werden und „alles Weitere öffentlich diskutiert.“.

Das jedenfalls hatte Falko Droßmann, Leiter des Bezirksamtes Mitte, im Juli 2017 auf einer öffentlichen Veranstaltung versprochen. Auf der waren erstmals Abriss- und Neubaupläne der neuen Eigentümerin der seit Jahren vor sich hin rottenden Schiller-Oper vorgestellt worden. Seit April 2018 liegt das insgesamt dritte Gutachten zum Zustand des denkmalgeschützten, ehemaligen Zirkusbaus vor. Davon erfuhr die Öffentlichkeit allerdings erst durch eine Anfrage Heike Sudmanns, der Vorsitzenden der Linken-Bürgerschaftsfraktion vom 9. April.

Ein Gutachten, das 2007 im Auftrag des Denkmalschutzamtes erstellt worden war, hatte festgestellt, „dass eine auch langfristig wirksame Sicherung und Instandsetzung“ möglich sei. Kosten etwa 400.000 Euro. Eine weiteres, von der Eigentümerin in Auftrag gegebenes, war zu einem gegenteiligen Ergebnis gekommen. Das dritte, vom Amt für Bauordnung und Hochbau in Auftrag gegebene Gutachten komme im Wesentlichen „zu den gleichen Ergebnissen“ wie das Gutachten von 2007, so die für den Erhalt der Schiller-Oper kämpfende Schiller-Oper-Initiative.

Die Schilleroper-Initiative hatte das Gutachte im Transparenzportal aufgestöbert. Allerdings sehen die Gutachter die Kosten durch das jahrelange Nichstun mittlerweile auf 1,5 Millionen Euro summiert. Ein Betrag, den die Initiative für zu hoch hält, sie veranschlagt knapp eine Million Euro.

Die ersten Pläne hatten einen zehn- und einen sechsgeschossigen Wohnturm vorgesehen, dazu ein dreigeschossiger Rundbau für Büros, Läden und Werkstätten, alles in Rotklinker, sowie eine Tiefgarage auf der gesamten Fläche. Für Droßmann damals „so nicht genehmigungsfähig.“

Weitere Planungen sind bisher nicht bekannt geworden. Um dem weiteren Verfall der Bausubstanz entgegen zu wirken, fordert die Initiative zunächst den bei Denkmälern vorgeschriebenen ausreichenden Witterungsschutz. „Wir werden nicht aufgeben, aber weiter gesprächsbereit mit allen Akteuren bleiben“, so Ini-Sprecher Peter Keller. Die Initiative hat bisher über 5.000 Unterschriften zum Erhalt der Schiller-Oper gesammelt.

 

Das sagt die Kulturbehörde zur Schilleroper:
Enno Isermann, Sprecher der für den Denkmalschutz zuständigen Kulturbehörde sagt zur Forderung der Initative nach sofortigem Witterungsschutz: „Eine schnelle Sanierung ist auch unser Ziel. Da sich das Denkmal in Privatbesitz befindet und zudem nur das Stahl-Tragwerk unter Schutz steht, ist dies aber ausgesprochen schwer durchzusetzen.

Wir bereiten derzeit eine sogenannte Sicherungsverfügung vor, das heißt eine Festlegung von Maßnahmen und eine Aufforderung zum unverzüglichen Handeln. Dies ist aber sehr komplex und aufwendig, da es natürlich alles rechtlich einwandfrei verlaufen muss. Die Umsetzung wird daher voraussichtlich einige Zeit brauchen.
Davon unbenommen steht selbstverständlich auch in diesem Fall weiter der Weg des direkten Gespräches offen, über den wir in der Regel alle Konflikte mit Denkmaleigentümern geregelt bekommen.“ MG

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