Der große Mobilkran ist in der Harburger Raffinerie im Einsatz. Allein sein Auf- und Abbau dauerten jeweils eine Woche. Foto: pr

Siegmund Borstel, Hamburg-Süd
Die sechswöchigen Wartungsarbeiten in der Harburger Holborn-Raffinerie an der Moorburger Straße sind beendet. Ab dem 5. Oktober kann der normale Betrieb wieder aufgenommen werden. Insgesamt kostete die Wartung, für die die Raffinerie komplett heruntergefahren werden musste, rund 65 Millionen Euro.

„Wir haben die Raffinerie für weitere fünf Jahre fit und sicher gemacht. Diese Investition ist damit ein Bekenntnis zum Standort Hamburg-Harburg und zur Sicherung der an der Raffinerie hängenden etwa 800 direkten und indirekten Arbeitsplätze“, erklärte Raffinerieleiter Frank Heyder.

An Spitzentagen mehr als 2.000 Menschen auf Gelände

Der umfassende Wartungs- und Sicherheits-Check, der einer TÜV-Inspektion beim Auto vergleichbar ist, muss spätestens alle fünf Jahre stattfinden. Bei diesem sogenannten „Turn-around“ wird die gesamte Raffinerie auseinandergenommen, alles wird einmal „umgedreht“, gewartet und von TÜV-Sachverständigen geprüft.

Über 30 Mobilkräne waren gleichzeitig im Einsatz. Der größte, ein roter Koloss, überragte die Raffinerie wochenlang weithin sichtbar. Mit seiner maximalen Hebefähigkeit von 1.600 Tonnen ist er einer der größten seiner Art in Europa, er wird auf 32 Tiefladern transportiert.

Wo sonst am Wochenende 25 Personen die Anlagen bedienen, waren an Spitzentagen bis zu 2.000 Menschen zusätzlich auf dem Gelände tätig: Gerüst- und Rohrbauer, Schweißer, Isolierer, Elektriker, Regelmechaniker, Kranführer sowie Ingenieure und Sachverständige. Diese externen Fachleute prüften über 1.800 Druckbehälter, fast 2.000 mechanische und elektrische Maschinen sowie ebenso viele Sicherheits- und Messeinrichtungen und kilometerlange Rohrleitungen.

Ende August hatten die Wartungsarbeiten zu einer massiven Geruchsbelästigung geführt. Bei den Behörden gingen über 100 Beschwerdeanrufe ein.
Das stufenweise Wiederanfahren der Raffinerie wird mehr als eine Woche dauern. „Währenddessen kann es zu einer sichtbaren Fackeltätigkeit sowie zu Geräuschentwicklung kommen“, kündigt Raffinerieleiter Heyder an. Im Klartext: Nicht erschrecken, wenn ab und an eine große Flamme aus dem Schornstein der Raffinerie züngelt.

Abfackeln
Die Fackel ist ein wichtiger Teil des Sicherheitssystems der Raffinerie. Über sie werden Gase wie Methan, die im Anfahrprozess unweigerlich entstehen, aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht verwertbar sind, kontrolliert und rückstandslos verbrannt. Raffineriechef Heyder: „Fackeltätigkeit zeigt also an, dass die Anlage in einem sicheren Zustand ist.“

Holborn Raffinerie
In der Harburger Raffinerie werden jährlich bis zu fünf Millionen Tonnen Rohöl zu Benzin, Diesel und Heizöl sowie zu verschiedenen Grundstoffen für die chemische Industrie verarbeitet. Die Holborn Europa Raffinerie GmbH ist eine 100 prozentige Tochter der Oilinvest (Netherlands) B.V. und beschäftigt derzeit über 300 Mitarbeiter.

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