Hier wird bereits saniert: Kesbana Klein (SPD Mitte) vor einem Hochhaus in der Korallusstraße. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg
Der Rundgang durch Wilhelmsburgs wohl am meisten vernachlässigstes Wohnviertel beginnt an der Straßenecke Wehrmann-/Buddestraße: Ein Großteil der Gebäude im anliegenden Häuserblock ist bereits über 100 Jahre alt. Hübsche Gründerzeitfassaden säumen die Straßen – doch der allgegenwärtige Verfall ist kaum zu übersehen: An den Häuserwänden finden sich teils deutliche Risse. „Die Gebäude sind rott“, sagt Kesbana Klein, SPD-Bezirksabgeordnete für Wilhelmsburg.

Von den Wohnungen aus habe man an manchen Stellen bereits durch die Mauer auf die Straße gucken können. Teilweise wurden die Fassa-den zwar notdürftig geflickt, doch eigentlich wäre eine Rundumsanierung nötig. „Es
muss endlich etwas geschehen“, sagt die SPD-Politikerin.
Nun besteht endlich Grund zur Hoffnung: Die zuständige Stadtentwicklungsbehörde will das Quartier besonders fördern und es ins „Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung“ (RISE, siehe Seite 3) aufnehmen. Dann können Straßen ausgebaut, Grünflächen und Spielplätze verschönert werden. Hausbesitzer können Gelder für Sanierungen beantragen.

Im Fall Bahnhofsviertel soll es künftig insbesondere mehr Parkplätze geben. Das geplante Fördergebiet „Wilhelmsburg Ost/Korallus- und Bahnhofsviertel“ wird – in etwa – begrenzt von der Krieter- und von der Schönenfelder Straße, weiterhin vom Wilhelm-Strauß-Weg, der Straße „Auf der Höhe“ und von den Bahngleisen. Endgültig festgelegt wird das Fördergebiet aber erst im ersten Halbjahr 2019.

Die Altbauten im Häuserblock Thielenstraße/Buddestraße sind nicht das einzige Problem im Quartier: Etliche Mehrfamilienhäuser wie etwa die Vonovia- (früher: Gagfah-) Häuser in der Korallusstraße sind undicht und leiden unter Schimmelbefall. Die Wiese an der Ecke zur Thielenstraße soll seit Jahren bebaut werden („Neues Korallusviertel“, 470 Wohnungen), doch es tut sich nichts.

Immerhin werden die Hochhäuser in der Korallusstraße 6 bis 18 jetzt saniert, die Mieter bekommen unter anderem neue Bäder. Die Vonovia, die größte Vermieterin in Deutschland, wegen ihres Geschäftsgebahrens bundesweit in der Kritik, hat sich bereiterklärt, die Sanierungsoffensive im Bahnhofsviertel mitzutragen.

Hintergrund: So funktioniert „RISE“

Das „Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung“
(RISE) ist ein Förderprojekt, das vom Bund und von den Kommunen bezahlt wird. Es zielt darauf ab, Quartiere „mit besonderem Entwicklungsbedarf“ sozial zu stabilisieren und städtebaulich aufzuwerten. Aktuell erarbeitet das Bezirksamt Hamburg-Mitte nach Abstimmung mit der Stadtentwicklungsbehörde (BSW) eine Problem- und Potenzialanalyse für den Bereich „Wilhelmsburg Ost“.

Die letzte Untersuchung dieser Art hatte 2016 ergeben, dass das Wilhelmsburger Bahnhofsviertel in Sachen Lebensqualität erheblich schlechter abschneidet als andere Hamburger Stadtteile. Es gibt hier mehr Arbeitslose, mehr Senioren, die auf Unterstützung angewiesen sind, mehr Kinder, deren Familien von Hartz IV leben. „Die betrachteten Indikatoren liegen zum Teil deutlich über dem hamburgischen Durchschnitt“, sagt BSW-Sprecherin Barbara Ketelhut.

Im Rahmen von RISE können private Hauseigentümer, die ihr Eigentum sanieren wollen, einen Antrag auf Unterstützung stellen. Dies geschieht über die Hamburgische Investitions- und Förderbank. Mit der Förderung sind Belegungs- und Mietpreisbindungen verbunden.
Im ersten Halbjahr 2019 wollen die BSW und der Senat endgültig den Deckel auf das Fördergebiet „Wilhelmsburg Ost“ machen. Die übliche Laufzeit des RISE-Programms beträgt sieben Jahre. Über die Höhe der insgesamt zur Verfügung stehenden Fördersumme sagte die Behörde nichts.

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