03.09.1977, Bundesliga, 6. Spieltag, Hamburger SV - FC St. Pauli 0:2 (0:1). Das 2. Tor für St. Pauli durch Wolfgang Kulka (links). HSV-Torwart Rudi Kargus (rechts) ist geschlagen. Im Hintergrund, von links: Peter Nogly, Franz Gerber, Hans-Jürgen Ripp, Rolf Blau, Schiedsrichter Walter Eschweiler (Euskirchen), Arno Steffenhagen.
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Von Volker Stahl.

Es soll eigentlich ein Fußballfest werden – das erste Partie zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli seit dem letzten Aufeinandertreffen 2011 in der Bundesliga. Doch vor dem Derby am kommenden Sonntag, 30. September, 13.30 Uhr, ziehen dunkle Wolken über dem Volksparkstadion auf.
Sportliche Aspekte geraten immer stärker in den Hintergrund. Die Schlagzeilen bestimmten zuletzt Fangruppen beider Vereine, die nachts über den Kiez liefen und „Scheiß St. Pauli“ respektive „Scheiß HSV“ riefen. In Internetforen kursierten Aufrufe zur Gewalt. Es kam zu Zusammenrottungen von HSV-Anhängern vor dem Bismarck-Denkmal am Millerntor, die von der Polizei im letzten Moment aufgelöst wurden.
Zuvor hatte laut dem Internet-Portal „Faszination Fankurve“ eine braun-weiße Ultra-Truppe HSV-Ultras überfallen, die in einer Halle im Stadtteil Eidelstedt eine Choreografie für das Derby vorbereitete. Bereits im August hatten HSV-Hooligans im Stadion ein Transparent mit der Parole „Stellt euch endlich unsrer Gier – 100 ihr: 100 wir“ ausgerollt – eine unverblümte Einladung zu einer großen Keilerei.

57.000
Besucher
werden am Sonntag das Derby im
Volksparkstadion verfolgen. Ausverkauft!

Alle Deeskalationsbemühungen von Vereinsoffiziellen wie Sandra Schwedler, Aufsichtsratschefin des FC St. Pauli, scheinen in Leere zulaufen. „Ausschreitungen befürchte ich aber nicht. Es wird alles ruhig bleiben“, hatte die aus der Fanszene des Kiezklubs stammende Schwedler kürzlich versucht, Druck vom Kessel zu nehmen.
Derweil ist die Hamburger Polizei in höchster Alarmbereitschaft. Oberstes Ziel ist es, die Fangruppen beim Duell der Erzrivalen auseinanderzuhalten. Wie das geschehen soll, will Polizeisprecher René Schönhardt nicht verraten: „Über die Polizeitaktik und die Zahl der aufgebotenen Kräfte sagen wir nichts. Das machen wir nie.“
Nur soviel lässt er sich auf Nachfrage entlocken: „Ja, es ist ein Risikospiel. Wer sich die früheren Derbys angeguckt hat, weiß, dass da nicht nur Bengalos gezündet wurden.“ Deshalb sei die Polizei „auf alle Eventualitäten vorbereitet.“

Einer, der nicht über mögliche Krawalle, sondern lieber über den Fußball reden möchte, ist der Sportwissenschaftler Broder-Jürgen Trede, der das Derby gemeinsam mit seinem Kollegen Lars Wegener für das Internet-Radio des HSV kommentieren wird. Für Trede ist der HSV „vielleicht ganz leicht der Favorit“. Den Unterschied zugunsten der Rothosen könnten am 30. September der zwölfte Mann und die zwölfte Frau ausmachen, hofft der Klub-Chronist und Autor des Vereins-magazins HSVlive: „Dass es eine enge und bis zum Schluss unterhaltsame und spannende Partie wird, da bin ich mir ziemlich sicher. Beide Mannschaften sind für viele Tore gut – vorne wie hinten.“
St. Paulis Aufsichtsratschefin Sandra Schwedler beantwortet die Frage nach dem Tipp etwas forscher: „Ich bin jetzt mal mutig und sage: Das Hinspiel endet unentschieden, das Rückspiel gewinnen wir.“
Einig sind sich beide Vereinsvertreter darin, dass die Eintrittspreise zu hoch sind. Der billigste Sitzplatz kostet 37 Euro. „Die Ticketpreise sind schon heftig, in der Tat. Ich könnte und wollte mir diesen Stadionbesuch mit meiner Familie nicht leisten und bin froh, dass ich eine Arbeitskarte für dieses Spiel habe“, sagt Trede, gibt aber zu bedenken: „Andererseits: Das ist Marktwirtschaft. Als der Online-Verkauf gestartet wurde, sind beim HSV die Server zusammengebrochen. Das Spiel war binnen kürzester Zeit ausverkauft. Dieses Derby elektrisiert die Stadt.“

Hintergrund

Der Hamburger SV und der FC St. Pauli treffen zum 132. Mal aufeinander. Die bisherige Bilanz lautet: 89:24 Siege für den HSV bei 18 Unentschieden und einem Torverhältnis von 415:160. Immerhin konnten die Kiezkicker die letzte Partie am 6. Februar 2011 mit 1:0 gewinnen. Das goldene Tor im Volksparkstadion, das damals Imtech-Arena hieß, erzielte Gerald Asamoah. Wer nicht zu den 57.000 zählt, die ein Ticket für das Derby ergattert haben, kann am Sonntag (13.30 Uhr) vorm blau-weiß-schwarzen oder braun-weißen Vereinsradio kostenlos mitfiebern.
❱❱ ww.hsv.de/de/news/
hsv-net radio/,
❱❱ www.fcstpauli-afm.de/afm-radio

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