Uwe Heim hilft Ehefrau Monika über die Kante vor dem Bordstein. Foto: mg

M. Greulich, Eimsbüttel
Wie behindertenfreundlich ist Eimsbüttel? Diese Frage stellt sich für Monika Heim, seitdem sie auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Ohne die Hilfe ihres Ehemanns Uwe könnte sie die kleinen Kanten an der Osterstraße nicht überwinden „Ich würde jedes Mal hängen bleiben“, sagte sie dem Elbe Wochenblatt. Außerdem gibt es im Eimsbütteler Kerngebiet keine behindertengerechte öffentliche Toilette mehr, seitdem das Kundenrestaurant bei Karstadt im Frühjahr seine Türen schloss (das Elbe Wochenblatt berichtete). Das Wochenblatt hat beim Bezirksamt Eimsbüttel nachgehakt – sechs Fragen und Antworten zur Barrierefreiheit:

Wird es demnächst wieder eine behindertengerechte öffentliche Toilette geben?
Das Thema öffentliche Toilette war Thema im Kerngebietsausschuss. Bezirksamtssprecher Kay Becker: „Letzter Stand in der Ausschussdiskussion war, dass der vom Ausschuss vorgeschlagenen Standort Unnapark nicht umgesetzt wird, weil er außerhalb der Besucherströme liegt und nach einem zentraleren Standort gesucht werden sollte.“

Was sollen die kleinen Kanten an der Osterstraße?
Eimsbüttels Bezirksamtssprecher Becker betont, dass alles den geltenden Baurichtlinien entspreche. „Das heißt: Alle Querungsstellen in der Osterstraße sind barrierefrei ausgeführt worden, die Trennung zwischen Gehweg und Straße erfolgt durch ein Rundbord mit einer Kantenhöhe von drei Zentimetern. Der dann anschließende 30 Zentimeter breite Wasserlauf muss 0,5 bis 1,5 Zentimeter tiefer sein als die Oberkante der anschließenden Asphaltdeckschicht, um das Regenwasser abzuführen.“

Geht es auch weniger technisch?
„Ja“, sagt Kay Becker, „die Planer und Ingenieure sind nicht naiv, das Thema Barrierefreiheit ist seit vielen Jahrzehnten geübte Praxis und findet sich auch in allen Richtlinien und Regelwerken wieder. Aber es ist fast unmöglich, allen Interessen gerecht zu werden.“

Welche sind das?
Kay Becker: „Sehbehinderte brauchen zur Orientierung eine Kante, Rollstuhlfahrer und Rollatorenschieber wollen eine Nullabsenkung. Es macht beim Bewältigen der Kanten auch noch einen Unterschied, wie rüstig oder geübt die Menschen mit ihren Hilfsmitteln sind.

Hat sich zwischenzeitlich etwas an den Vorgaben geändert?
Becker: „Nach den ganz neuen Regelwerken wird mit Sechs-Zentimeter-Kante und mit Null-Zentimeter-Kante gebaut, um den Bedürfnissen möglicherweise noch etwas besser Rechnung tragen zu können. Aber auch künftig wird gelten, dass Barrierefreiheit nicht für alle Bedürfnisse hergestellt werden kann. Deshalb sprechen wir lieber von Barrierearmut.“

Wurde die Planung an der Osterstraße mit Behindertenverbänden besprochen?
Die Planung sei „im Rahmen der Verschickung“ den Behindertenverbänden kommuniziert worden, so Becker.

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