Gedränge bei der Ampel-Demo. Foto: mg
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Von Matthias Greulich. Aus dem Bus sind die Kinder der Fridtjof-Nansen-Schule zu sehen, die mit gelben Warnwesten auf dem Bürgersteig am Fahrenort in Richtung Süden gehen. An der Kreuzung bei der Luruper Hauptstraße warten die Bewohner der „Fama“-Seniorenwohnanlage auf die jungen Demonstranten. Einer von ihnen hält ein großes Pappschild mit einer Ampel in die Luft.

Auf der vierspurigen Luruper Hauptstraße ist der Autoverkehr so heftig, dass ältere und jüngere Luruper zunächst auf den gegenüberliegenden Straßenseiten protestieren. Rüber kommt hier niemand, ohne sich in Gefahr zu begeben. Die starken Verkehrsteilnehmer rattern in der Mitte, die schwächeren stehen am Rand.

Wir Luruper
demonstrieren für die Schiene, für die Ampel, für Solidarität
Udo Schult,
Luruper Verkehrs AG

 

Es ist bereits das zweite Mal, dass 300 Luruper für eine Ampel an der Kreuzung Luruper Hauptstraße/Fahrenort demonstrieren. Wie im Februar rufen sie: „Ampel sofort an diesem Ort!“, und nun auch „Wir sind laut, bis ihr die Ampel baut!“ Die Lautstärke, die Grundschüler und „Fama“-Bewohner mit ihren Trillerpfeifen erzeugen, ist minutenlang lauter als der Autoverkehr. Ob er laut genug ist, um im Rathaus gehört zu werden, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

In diesem Sommer haben die Luruper mehr als 2.000 Postkarten mit ihrer Forderung nach einer Ampel an die für den Verkehr zuständige Wirtschaftsbehörde geschickt. Dort will man nach der bevorstehenden Sanierung der Luruper Hauptstraße 2020 eine Ampel an der Kreuzung bauen, doch nicht die von den Lurupern mit Unterstützung der Altonaer Bezirksversammlung geforderte provisorische Ampel (das Elbe Wochenblatt berichtete).

 

Bei der Demonstration sperrt die Polizei die Straße schließlich für eine Viertelstunde, in denen die Schulkinder mehrere Ampeln aus Kreide auf das Pflaster malen. Eltern, Kinder und Senioren besetzten die Kreuzung und dort blasen einige „Fama“-Bewohnerinnen weiter kräftig in die Trillerpfeife. Gerda Rose (84) hatte zuvor eine kurze Rede gehalten. „Nicht nur wir alten Menschen, nein, auch die Schulkinder und Kindergartenkinder müssen diese Straße überqueren. Ein schrecklicher Unfall für die Betroffenen wie für die Verursacher ist voraussehbar. Täglich werden wir Bewohner Zeuge von Beinah-Unfällen.“

Demo-Mitorganisator Udo Schult von der Luruper Verkehrs AG, sagt, er wolle sich „später nicht vorwerfen, nichts unternommen zu haben“. Er berichtet, dass zwei Tage zuvor ein Gespräch mit hochrangigen Vertetern der Polizei stattgefunden habe, „das sehr konstruktiv war“, so Schult. „Im Prinzip unterstützt die Polizei unsere Forderung.“

Gerda Rose will ebenfalls nicht locker lassen. „Wir Alten vom ,Fama’ versuchen noch einmal mit dieser Demo unsere politischen Vertreter dieser Stadt zu erreichen und sie von der Dringlichkeit unseres Anliegens zu überzeugen.“ Die mit Verkehrspolitik beschäftigten Luruper Bürgerschaftsabgeordneten der rot-grünen Regierungskoalition sind in Sachen Ampel auf Tauchstation gegangen. Eine Anfrage des Elbe Wochenblatts ließen Filiz Demirel (Grüne) und Frank Schmitt (SPD) im Sommer unbeantwortet.

Bei der Ampel-Demo ließ sich bis auf Karsten Strasser (Linke) kein Politiker blicken. Strasser sprach allerdings als Vertreter des Sozialverbands Deutschlands: „Wir halten es für einen handfesten politischen Skandal, dass es an jeder Baustelle hier im Bezirk möglich ist, kurzfristig Baustellenampeln aufzustellen. Hier aber müssen die Menschen an einer sehr gefährlichen Straße Monate und Jahre warten, dass etwas passiert.“

Auf der Demo
Gerda Rose: „Ich wohne seit dreieinhalb Jahren im
,Fama’. Von Anfang an war ich empört, dass wir Bewohner zur Bushaltestelle ungeschützt über die gefährliche Luruper Hauptstraße laufen müssen.“

Ein Schulkind: „Ein paar unserer Freunde müssen hier über die Straße. Sie haben Schwierigkeiten, weil hier so viele Autos fahren. Das kann nicht so weiter gehen. Sonst könnte es noch Probleme geben.“

Ein weiteres Schulkind: „Ich finde das echt doof, dass hier Unfälle passieren können.“

Udo Schult (Luruper Verkehrs AG): „90 Prozent der Initiativen und Demonstrationen richten sich gegen etwas. In Lurup sind wir immer für etwas. Für die Schiene. Für die Ampel. Für Solidarität.“ MG

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