Die Perspektive der Fußgänger: Die Radfahrer sind tatsächlich erst relativ spät zu sehen. Foto: mg
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Von Horst Baumann. Ob Fußgänger und Radfahrer wollen oder nicht: Wenn sie an der Kreuzung Osdorfer Landstraße/Seestraße über die Straße wollen, müssen sie den Ampelknopf drücken und dabei den neuen rotgepflasterten Radweg überqueren. „Ich wäre an dieser Stelle um ein Haar von einem Radfahrer angefahren worden“, sagte ein Anwohner dem Elbe Wochenblatt. Der Leser findet, dies sei für Fußgänger mittlerweile eine gefährliche Ecke geworden.

Ortstermin in Groß Flottbek. Die Radfahrer, die aus der Richtung Elbe Einkaufszentrum kommen, fahren mit Gefälle relativ schnell in Richtung Groß-Flottbeker-Markt. Zunächst verdeckt ein stattlicher Baum die Sicht auf den Bürgersteig, dahinter eine Litfaßsäule. Es gibt auf dem größten Teil des Trottoirs keine „Sichtbeziehung“ zwischen Fußgängern und Radlern, letztere können erst im letzten Moment bremsen, wenn jemand hinter der Werbesäule zum Druckknopf geht.

Im Bezirksamt Altona kann man auf einem Bild der Kreuzung kein Gefahrenpotenzial erkennen. Sprecher Martin Roehl: Auf dem Foto sei zu sehen„ „dass wenn ich eine entsprechende Umsicht walten lasse, ich eventuell mögliche Konfliktsituationen mit Radfahrern frühzeitig erkennen und vermeiden könnte“

Muss die Litfaßsäule nicht besser abgebaut werden, um eine bessere Sicht zu erreichen? Nein, sagt Roehl. Die Wegnahme würde „nichts an der Situation ändern, da direkt dahinter ein nicht ganz kleiner Baum steht; für eine unbeschränkt freie Sicht in diese Richtung müsste dann wohl auch der Baum entfernt werden.“

Der Fachverband für Fußverkehr in Hamburg, Fuss e.V., sieht die Lage für Passanten an der Osdorfer Landstraße allerdings gar nicht entspannt. „Absurd und kriminell“, sei laut Landessprecherin Sonja Tesch die dortige Situation. Es sei „gefährlich, da der Radweg nicht eingesehen werden kann“, so Tesch. Weil sich Fußgänger und Radfahrer gegenseitig nicht sehen können, helfe nur eins: „Die Litfaßsäule muss weg!“

 

Lobby für Fußgänger
Verbände für Autofahrer und Radfahrer vertreten deren jeweilige Interessen recht lautstark, von der größten Gruppe der Verkehrsteilnehmer ist viel weniger zu hören. Der Fachverband für Fußverkehr Fuss e.V. möchte das ändern. Denn: „In manchen Großstädten werden mehr als 40 Prozent aller Wege zu Fuß zurückgelegt“, sagte Geschäftsführer Stefan Lieb im Interview mit „Spiegel online“. Die Hamburger Ortsgruppe fordert unter anderem, den Fahrradverkehr vom Fußweg auf die Fahrbahn zu verlagern.

❱❱ www.hamburg-zu-fuss.de

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