Gelernte Schneiderin: Ingrid Kosmala arbeitete auch in der Modebranche und als Reisejournalistin. Foto: stahlpress
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Volker Stahl, Othmarschen/Altona
Ruhestand ist Unruhestand – jedenfalls bei Ingrid Kosmala. Die Othmarscherin leistet ehrenamtlich kaum weniger als so manch Vollzeitbeschäftigter. So engagiert sie sich in der Patriotischen Gesellschaft, ist Mitglied in der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung (GDCV), hilft im Altonaer Museum aus, wenn Not an der Frau ist, außerdem ist sie im Denkmalschutz aktiv.

Besonders am Herzen liegt der 76-Jährigen die Pflege der deutsch-chinesischen Freundschaft, was einen familiären Hintergrund hat. Ihre Großeltern lebten vor dem Ersten Weltkrieg lange in Qingdao, wohin ihr 1872 geborener Großvater Franz Wolter als Staatstaucher der kaiserlichen Marine für den Kanalbau abkommandiert worden war.

Damals entwickelte sich in der Stadt eine kleine deutsche Kolonie, deren Spuren noch heute zu sehen sind. Das in dieser Zeit erbaute Rathaus und einige Kirchen stehen noch. Zu Weltruhm hat es das mit deutscher Braukunst produzierte und weltweit exportierte Bier Tsingtao gebracht.

Seit 23 Jahren ist sie aktiv
im Auguste-Viktoria-Stift

„Die Beziehungen zu China ist noch heute sehr eng“, sagt Ingrid Kosmala, die kürzlich ihre Familiengeschichte für Han Bao, das „China-Magazin für Hamburg & Norddeutschland“, aufgeschrieben hat: 1898 heirateten ihre Großeltern, ihre Großmutter Anna Julie folgte ihrem Mann erst später nach Asien.

„Mein Großvater hatte bei der Ankunft seiner Frau bereits zwei Jahre allein in Qingdao gelebt, und das war nicht ohne Folgen geblieben – mit seiner chinesischen Haushälterin hatte er eine kleine Tochter“, erzählt Kosmala. Anna Julie nahm das stoisch zur Kenntnis und blieb nicht nur bei ihrem untreuen Ehemann, sondern kümmerte sich fortan um Waisenkinder in der Region.

„Mit einem Planwagen war sie tagelang unterwegs bis zum nächsten Kloster, wo die Kleinen liebevoll von Nonnen aufgenommen wurden“, berichtet die Enkelin, die dieses ehrenamtliche Engagement zum Vorbild genommen hat.
Ingrid Kosmala wurde 1942 in Altona geboren, besuchte erst eine Mädchen-, dann eine Modeschule und lernte Schneiderin.

Zuletzt arbeitete sie als Verkäuferin in der Modebranche und war nebenberuflich als Reisejournalistin tätig. Noch während ihrer Berufstätigkeit engagierte sie sich 23 Jahre als „Grüne Dame“: „Meine Mutter lebte im Auguste-Viktoria-Stift an der Elbchaussee. Als sie starb, sagten die Bewohner:

‚Jetzt können sie uns ja besuchen‘.“ Gesagt, getan. Seit 1999 ist Kosmala Mitglied in der das Gemeinwohl und die Künste fördernden Patriotischen Gesellschaft, wo sie in den Arbeitskreisen Denkmalschutz, Stadtentwicklung und Tafeln mitmischt.

Leider habe das Ehrenamt heute nicht mehr den Stellenwert wie noch vor einigen Jahren, bedauert Kosmala: „Die Leute haben keine Zeit mehr wegen der Arbeitsverdichtung. Und die Jungen spielen meistens auf ihrem Handy herum und sprechen kaum noch miteinander. So geht die Geselligkeit verloren.“

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