Sorina (19, l.) hat die Waldorfschule in Altona besucht. Mareike Rahf ist mit den Fortschritten ihrer neuen Schülerin sehr zufrieden. Foto: mg
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Matthias Greulich, Osdorfer Born
Es ist ihre zweite Klavierstunde und Sorina ist spät dran. Die 19-Jährige setzt sich ans Klavier und schaut auf die Noten, die Lehrerin Mareike Rahf ihr bereitgelegt hat. Als Sorina in dem kleinen holzvertäfelten Raum der Kita später die ersten Tonleitern spielt, lobt Rahf: „Hammer, genau richtig.“

Die Klavierstunde im DRK-Zentrum an der Bornheide wird von „Musiker ohne Grenzen“ angeboten. Der Verein hat einige Musikprojekte auf der ganzen Welt – und eines am Osdorfer Born. Die Projekte im Ausland leiten Ehrenamtliche, im Born wird die Arbeit von Stiftungen finanziert, die professionelle Lehrer bezahlen, die meist an der Hamburger Musikhochschule studieren.

Mareike Rahf studiert dort im siebten Semester auf Lehramt. An diesem Freitagnachmittag unterrichtet sie noch vier weitere Schüler, nach den Sommerferien nimmt der Unterricht wieder Fahrt auf. „Wir haben eine Warteliste, aber für Posaune wären einige neue Schüler gut“, so Rahf, die seit einem Jahr am Osdorfer Born unterrichtet.

Im DRK-Zentrum hat „Musiker ohne Grenzen“ einige Posaunen aus Kunststoff angeschafft. „Für Anfänger ideal“, sagt Rahf, „sie sind leicht, nicht so teuer in der Anschaffung, klingen aber erstaunlich gut.“ Die Grundlagen ließen sich relativ schnell aneignen und mit dem Erlernten sei man musikalisch flexibel, da Posaunen in Orchestern oder Big Bands gebraucht werden.

Dass dem Besucher auf dem roten Schulinstrument auf Anhieb dennoch kein hörbarer Ton gelingt, nimmt Rahf ebenso gelassen hin, wie die Bereitschaft der übrigen Schüler das Erlernte zu Hause zu vertiefen. „Nicht immer haben meine Schüler Bock zu üben, aber wenn wir Weihnachten ein Konzert spielen, wollen sie allen zeigen, was sie gelernt haben.“

Bereits der Herbst verspricht für die Schüler aufregend zu werden, wenn ein selbst komponierter Song in einem Studio in Bahrenfeld aufgenommen werden soll. Dann dürfte Klavieranfängerin Sorina, die rasch Fortschritte macht, schon deutlich sicherer spielen. „Klavier finde ich ziemlich cool“, sagt die ehemalige Waldorfschülerin, die sich besonders freut, im Unterricht Noten lernen zu können.

Neben den Posaunen und Tasteninstrumenten wird am Born auch Gitarrenunterricht angeboten. In einem benachbarten Raum unterrichtet Gabriel Hernández den elfjährigen Arjan, der seine eigene akustische Gitarre mitgebracht hat. Der Schüler, der das Gymnasium Schenefeld besucht, nimmt seit rund einem Jahr Unterricht.

„Bitte spiele diese Passage noch mal zu Hause“, sagt Hernández zu seinem talentierten Schüler, der von seiner Mutter abgeholt wird. Der Gitarrenlehrer kam als Kind von Spanien nach Hamburg wo er ebenfalls an der Musikhochschule studierte. „Der Unterricht vermittelt den Schülern eine feste Struktur“, sagt er.

Musiker ohne Grenzen
Der Verein bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, wöchentlich Klavier-, Gitarren-, Querflöten- oder Klarinettenunterricht zu bekommen. Notenkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer länger dabei bleibt. kann in der Band von Musiker ohne Grenzen mitspielen. Die erste Probestunde ist kostenlos, danach beträgt die Gebühr zehn Euro im Monat (entfällt für Familien mit Unterstützungsbedarf). Die Arbeit des Vereins finanziert sich über Spenden. Kontakt und Spendenkonto unter
❱❱ www.osdorferborn.musikerohnegrenzen.de

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