Die Fußgängerbrücke am Erlerring in Höhe Hausnummer 9 hat schon bessere Tage gesehen: Brennnesseln und Efeu überwuchern das mittlerweile völlig morsche Gebälk, auf dem man früher mal gefahrlos die Wettern überqueren konnte. Einige Ahornbäumchen, die in dem modernden Holz wurzeln, sind inzwischen bis zu zwei Meter hoch. Zwischen den längst nicht mehr genutzten Sitzbänken liegt jede Menge Müll herum. „Das war mal ein richtig lauschiges Plätzchen“, sagt Kesbana Klein, SPD-Bezirksabgeordnete.
Doch inzwischen besteht akute Einbruchgefahr. Bereits Anfang 2015 hatte das Bezirksamt Mitte das marode Bauwerk daher absperren lassen – passiert ist seither gar nichts. Grund: „Die Angelegenheit wird ständig hin- und hergeschoben“, beklagt Klein.
Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, die Zuständigen zu ermitteln: Errichtet wurde die Brücke – neben einigen weiteren, die ebenfalls die Wettern überqueren – parallel zum Bau der Hochhaussiedlung Kirchdorf-Süd in den 70er Jahren. Als rund 20 Jahre später die Wettern verbreitert und ein Park angelegt wurde, kam zur Betonbrücke eine hölzerne Verlängerung hinzu. Diese ist nun verwittert – eine weitere Brücke jenseits des Stübenhofer Wegs ist ebenfalls betroffen.

Die Arbeiten sollen kurzfristig
beauftragt
werden
Norman Cordes
Sprecher Bezirk Mitte

Drei mögliche Verantwortliche kommen in Frage: das Wohnungsunternehmen Saga, zuständig für die Hochhäuser im Viertel, das Bezirksamt Mitte sowie der Landesbetrieb Straßen Brücken und Gewässer (LSBG), der bei der Baubehörde angesiedelt ist. „Es hat einen gemeinsamen Termin mit dem Bezirksamt und der SAGA gegeben, in der vergeblich nach ‚den Zuständigen‘ in der Vergangenheit gesucht wurde“, sagt Bezirksamtssprecher Norman Cordes. Die Beteiligten seien sich darüber einig geworden, dass die Brücke schnellstmöglich repariert werden müsse. „Von Seiten des Bezirksamts wurden bereits Angebote für eine Reparatur eingeholt. Die Arbeiten sollen kurzfristig beauftragt werden“, so Cordes. Zu den voraussichtlichen Kosten sagte das Bezirksamt nichts.
Bereits 2016 hatte der Regionalausschuss einen Antrag auf dringende Reparatur gestellt – vergeblich. „Wir wurden einfach vergessen“, ärgert sich Klein.

 

Brückenbuch

Nach Ansicht des Wilhelmsburger Bürgerbeirats werden immer mehr kleine Brücken in Wilhelmsburg gesperrt, weil sich der Landesbetrieb Straßen,
Brücken, Gewässer (LSBG) und der Bezirk Mitte nicht einigen können, wer für die Unterhaltung zuständig ist.
Als Wilhelmsburg noch zu Harburg gehörte, seien solche kleinen Brücken oft nicht für das sogenannte „Brückenbuch“ bei der LSBG angemeldet worden, obwohl dieser aufgrund einer Mindestbreite zuständig gewesen sei. Diese Brücken seien dann mit dem Wechsel von Wilhelmsburg zum Bezirk Mitte schlichtweg „vergessen“ worden. Jetzt müssten diese „vergessenen Brücken“ nach und nach gesperrt werden, weil sie nicht mehr sicher sind.
Im Hamburger Brückenbuch werden laut Bezirksamt Mitte alle Brücken-, Tunnel- und Ingenieursbauwerke der Hansestadt – ab einer bestimmten Größe – vermerkt. „Im Brückenbuch sind beispielsweise alle technischen Daten und Details zum jeweiligen Bauwerk seit seiner Herstellung hinterlegt“, erklärt Bezirksamtssprecher Norman Cordes.

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