Von Andreas Göhring.

Die Große Koalition im Harburger Rathaus ist geplatzt. Neun Monate vor der nächsten Wahl zur Bezirksversammlung scheiterte die Zusammenarbeit von SPD und CDU an einer Personalfrage. Obwohl sie mehrere Monate Zeit hatten, konnten sich Partei- und Fraktionsspitzen nicht darauf einigen, wer Nachfolger des im
November 2017 gestorbenen
Bezirksamtsleiters Thomas Völsch werden soll.
Die SPD hatte sich als stärkste Fraktion in der Bezirksversammlung zunächst selbst auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. Als das nicht klappte, blieben nach Ausschreibung und aufwändigen Bewerbergesprächen drei Kandidaten übrig. Die SPD entschied sich gegen den Genossen Maik Schwartau, gegen die CDU-Frau Petra Gerlach und für die parteilose ehemalige Harburger Jugendamtsleiterin Sophie Fredenhagen.
Ganz anders die CDU. Ihr neuer Kreischef Uwe Schneider hielt Fredenhagen für „unfähig“. Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer äußerte sich nach zwei Vier-Augen-Gesprächen mit Fredenhagen zurückhaltender.
Als Ende Juni dann die Wahl von Fredenhagen zur Bezirksamtsleiterin kurzfristig abgesagt wurde, spitzte sich die Lage zu. Ohne sich mit Fischer und Schneider abzustimmen, ermutigte CDU-Vize Rainer Bliefernicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion plötzlich den Verwaltungsrichter Klaus Thorwarth (SPD) zu einer Kandidatur. Alle Nichtbeteiligten waren verärgert. In dieser Situation rief Fischer zu einer Probeabstimmung in seiner Fraktion auf. Ergebnis: keine einzige Stimme für Fredenhagen. Nun zog SPD-Kreischef Frank Richter die Reißleine und been-dete – wie es der Kreisvorstand seiner Partei vorher beschlossen hatte – die Koalition.
Und nun? Jammern auf beiden Seiten. SPD und CDU beteuern, sie hätten die Koalition gerne fortgesetzt, inhaltlich habe es große Übereinstimmung gegeben.
Grüne und Linke stehen in den Startlöchern. Mit jeweils fünf Stimmen könnten sie den 19 SPD-Bezirksabgeordneten helfen, ihre Kandidatin ins Amt zu hieven. Doch sie stellen auch Bedingungen. Die Linke will mehr sozialen Wohnungsbau und mehr Hilfe für benachteiligte Bürger.
Die Grünen zögern dagegen noch, die Parteistrategen in der Hamburger Zentrale raten offenbar dazu, die Zeit zur Bezirkswahl im Mai 2019 zu nutzen, sich zu profilieren und sich nicht mit der SPD für ein paar Monate „ins Bett zu legen“.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here