Von Waldemar Düse.

Aus dem Harburger Fußball-Archiv

Es ist ein im Überschwang gesagter Satz unter Freunden. „In deinem Alter schaffst du das sowieso nicht mehr.“ Paul Weber ist gerade 50 Jahre alt geworden, als sein Freund Hannes Petrich, früherer Mitspieler und nun profilierter Sportjournalist, 1960 starke Zweifel anmeldet. Zweifel daran, dass „Paule“ noch in der Lage sei, 10.000 Meter durch die Haake zu laufen. Sogleich ist beim früheren Leichtathleten und Fußballer die Lampe angegangen. „Wenn du mit deinem Fahrrad überhaupt hinterher kommst.“ 7.000 Meter schaffen beide bergauf und bergab.
Sich leicht anstacheln zu lassen, scheint ein wesentlicher Charak-terzug Paul Webers gewesen zu sein. „Aus dir wird nie ein richtiger Fußballer“, ist ihm schon als Knabenspieler beim HTB bei jeder unpassenden Gelegenheit unter die Nase gerieben worden. Aus Paul Weber ist ein richtiger Fußballer geworden, aber sowas von.
Sein älterer Gegenspieler mault: „Du spielst zu hart“
Als 18-Jähriger debütiert er für den SV Harburg bei einem NFV-Pokalspiel gegen Arminia Hannover. „Du kannst dir mal merken, hier wird Fußball gespielt“, mault sein berühmter Gegenspieler Lange den jungen Harburger Seitenläufer an. „Du spielst zu hart.“
Irgendwann feiert die Mannschaft, Weber spielt inzwischen beim Harburger TB, in ihrer Stammkneipe dritte Halbzeit. „Mit deinen 28 Jahren würdest du es nicht mehr schaffen, beim HSV zu spielen“, piesakt ihn ein Mitspieler. Paul Weber schreibt noch am gleichen Abend seine Austrittserklärung und macht sich auf den Weg zum Rothenbaum. Nach einiger Zeit bei den Leichtathleten wird HSV-Trainer Hans Lang auf ihn aufmerksam und holt ihn zu den Fußballern. Zwei Jahre gehört der vorzugsweise als Stopper Eingesetzte zum Ligakader, spielt sogar in der Vorrunde um die deutsche Meisterschaft. Noch als
40-Jähriger bringt er es, wieder nach Harburg zurückgekehrt,
auf 22 Einsätze im Oberligateam
des HTB.
Beim HTB wird er einer der erfolgreichsten Trainer überhaupt. In der Jugend formt er Oberliga-Rekordspieler Otmar Sommerfeld, Jürgen Neudorf wird unter Weber zum Jugendnationalspieler. In der Spielzeit 1956/57 trainiert er Borussia, im Jahr darauf den Lüneburger SK. Nach seiner vorwitzigen Haake-Wette leitet er ab 1961 ein Jahr lang die Fußball-Jugendabteilung beim HTB. Paul Weber stirbt 1990.

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