alter Wächter (dritter v.l.) auf einem Mannschaftsbild. des HSV auf dem Sportplatz am Rothenbaum. Foto: archiv stahlpress

Von Folke Havekost. Zur Ehrung des Eimsbütteler Fußballers und Widerstandskämpfers kommt Sohn Torkel am 1. September mit seiner Familie aus Schweden angereist.

Wir können nun auf einem Platz spielen, der stärker mit unseren Werten verbunden ist
Frank Vöhl Hitscher,
FC Alsterbrüder

Seit Juni ist es durch eine Mitteilung der Kulturbehörde offiziell: Der Sportplatz an der Gustav-Falke-Straße trägt den Namen von Walter Wächter. Am Sonnabend, 1. September, um 11.30 Uhr findet die Einweihung durch den Bezirksligisten FC Alsterbrüder statt, die treibende Kraft hinter dem neuen Namen.

„Damit können wir auf einem Platz spielen, der stärker mit unseren Werten verbunden ist“, freut sich Vorstandsmitglied Frank Vöhl-Hitscher. Die Initiative zur Namensgebung kam aus der Mitgliedschaft der Alsterbrüder. „Sie haben herausgefunden, dass Gustav Falke ein sehr nationalistischer und vor allem franzosenfeindlicher Dichter war“, sagt Vöhl-Hitscher über den norddeutschen Schriftsteller (1853-1916), der seine letzten Lebensjahre damit verbrachte, die Jugend in den Ersten Weltkrieg zu treiben. „Wovon sind wir Husaren so rot?/Von Blut! Wir schlugen viel tausend Franzosen tot“, heißt es in seinem „Reiterlied“. Preußen zeichnet ihn für solche Verse mit dem „Roten Adlerorden“ aus.

Auf der Suche nach einer Alternative wurden die Alsterbrüder auf Walter Wächter aufmerksam, der 1913 in Eimsbüttel zur Welt kam und 1983 als Professor in Schweden starb. Dazwischen steht ein Leben, das von der deutschen Geschichte und auch der ihres Sports geprägt ist. Als Jugendlicher spielt er Fußball und treibt Leichtathletik beim HSV. Doch der grassierende Antisemitismus im deutschen Bürgertum trifft auch den Sohn eines jüdischen Obersteuerinspektors. 1929 verlässt Walter Wächter den Großverein, weil nicht nur Präsident Emil Martens mit der NSDAP sympathisiert.

Der SPD-Anhänger, der mit seiner Familie im Eppendorfer Weg wohnt und in der Schlankreye zur Schule geht, schließt sich zunächst dem Arbeitersportverein Fichte Eimsbüttel an, der 1933 nach ihrer Machtübernahme von den Nazis verboten wird. Wächter bleibt aktiv beim jüdischen Verein Bar Kochba und als Gegner des NS-Regimes. Wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ sperren ihn die Nazis 1935 ins KZ Fuhlsbüttel und danach ins Zuchthaus. Als er im März 1938 entlassen wird, gelingt ihm die Flucht nach Schweden, seine älteren Brüder John und Max schaffen es nach Südamerika. Ihre Eltern Minna und Gustav werden im KZ Jungfernhof umgebracht.

Zur Einweihung reist Walter Wächters Sohn Torkel mit Frau und vier Kindern an. „Das Erinnern ist eine Aktivität, der man sich in der Gegenwart widmet und die in die Zukunft weist“, sagt der schwedische Schriftsteller.

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