Das Ende kam plötzlich. Geschlossenes Restaurant am Blankeneser Bahnhof. Foto: Kroll

Gerade erst hat ein Restaurant in Blankenese geschlossen. Der Ehrgeiz des Wirtes war groß gewesen, die Gästeschar überschaubar. So voll wie zur Eröffnung des Restaurants war es in dem riesigen Laden später nie wieder.
Der gastronomische Wechsel vor wenigen Monaten von „Mazedonischer Küche“ zu „Mediterraner Küche“ war nur noch ein letztes Zucken. Freimütig sagt der Wirt: „Wir sind pleite.“

Wenn schon scheitern, dann mit offenem Visier

Dass der Tag der geschlossenen Türen mit dem Tag des Mauerbaus zusammenfiel war wohl ein Zufall. Den es allerdings für Sinnsucher und Esoteriker so nicht gibt.

Einen Satz wie: „Wir sind pleite“ hätte auch Walter Ul-bricht bereits am 13. August 1961 sagen sollen, statt unter der Aufsicht Bewaffneter eine Mauer bauen zu lassen.

Ohne die Mauer wären weniger Menschen an der Grenze erschossen worden. Die Biografien vieler anderer Eingesperrter wären weniger ramponiert worden. Ob einer Ehrlichkeit, wie die des zitierten Wirtes, wäre für die Männer aus dem Zentralkomitee wenigstens ein Schulterklopfen drin gewesen.

Wenn schon scheitern, dann mit offenem Visier und sich nicht klammheimlich davonmachen, wie Tyrannen und Despoten allerorten heute noch. Von solchen Männern ist die Weltgeschichte voll.

Warum sitzen also die Gäste in dem einen Restaurant, oder einer Stadt oder einem Land, dicht an dicht, anderenorts stehen Häuser leer, Tische bleiben frei?

Sauertöpfische Menschen werden gemieden, die Nähe zu fröhlichen Zeitgenossen wird gesucht
Lebenserfahrung des Autors

„Alles in der Welt ist Torheit, nur nicht die Heiterkeit“, befand Friedrich der Große, der alte Fritz, bereits vor rund 200 Jahren.
Womit ein Teil der Antwort gegeben ist: Orte, an denen Heiterkeit und Frohsinn herrschen, werden von Menschen, egal welcher Hautfarbe oder politischer Gesinnung bevorzugt. Sauertöpfische Menschen werden gemieden, die Nähe zu fröhlichen Zeitgenossen wird gesucht.

So wird der Humor stets an vorderer Stelle genannt, wenn es um eine Rangfolge positiver Charaktereigenschaften geht. Wobei Politiker häufig in kleiner Runde komisch sein können. Nach außen kommen sie oft steif und hölzern rüber.

Interessanterweise lassen sich Eigenschaften wie
Charme oder Humor in keinem Volkshochschulkurs lernen wie etwa Ikebana oder Töpfern. Menschen, die von sich behaupten, komisch zu sein, sind in der Regel eher penetrante Sprücheklopfer.

Ähnliches gilt für Restaurants. Es gibt kein Rezept für ein volles Haus. Gut kochen können inzwischen selbst in Norddeutschland viele. Doch zu einem gut besuchten Lokal gehört viel mehr. Die Mischung der Gäste muss stimmen, die Atmosphäre sollte eher herzlich als steif sein. Und der Gast muss für den Zeitraum seines Besuches das Gefühl eines Erlebnisses mit nach Hause nehmen.

Mal sehen, wie lange das eingangs erwähnte Lokal leer steht. Dem Nachfolger sei schon jetzt viel Glück und eine gute Portion Humor gewünscht.

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