Engagiert im Osdorfer Born: Frieder Bachteler. Foto: cvs

Beim „Haribo“-Konfekt langt Frieder Bachteler während der Borner-Runde mächtig hin. Der schlanke 72-Jährige kann es sich erlauben, bei der Rückfahrt mit dem Fahrrad nach Nienstedten kann er die Lakritze wieder abarbeiten. Als Chefredakteur des Stadtteilmagazins „Westwind“ ist seine Rolle im Stadtteilgremium des Osdorfer Borns eine zuhörende. Bachteler läuft selten Gefahr, mit Süßigkeiten im Mund sprechen zu müssen.

Es tut sich eine Menge Positives im Stadtteil
Frieder Bachteler

„Ich bin seit 1976 mit dem Osdorfer Born verbandelt“, sagt der ehemalige Schulleiter der Geschwister Scholl Stadtteilschule (GSS). Nach seiner Pensionierung engagierte sich der Lehrer für Russisch und Französisch im Stadtteil. Als ehemaliger Redaktionsleiter einer Gewerkschaftszeitung produzierte er im Herbst 2010 ehrenamtlich mit einigen Mitstreitern die Nullnummer des „Westwind“, der sich seitdem mit zehn Ausgaben im Jahr als Sprachrohr und Informationsmedium des Stadtteils etabliert hat. „Bei den öffentlichen Redaktionssitzungen sind alle sehr diskussionsfreudig“, so Bachteler.

Er ist kein „Blattmacher“, der zuspitzt

Der ruhige Chefredakteur steuert viele Fotos bei, ein Blattmacher, der zuspitzt, will er nicht sein. So war ein Thema, das den Born bewegte, mit „Der Neubau kommt – zwei Jahre später“ recht nüchtern im „Westwind“ betitelt. Es ging um den 34,9 Millionen Euro teuren Bau der GSS, eines der ambitioniertesten Schulbauprojekte in Hamburg. Schulsenator Ties Rabe hatte versprochen, „Aufstiegsmöglichkeiten durch Bildung zu ermöglichen“.

„Immer wieder haben die Borner Zurücksetzungen erlebt, so wie der Stadtteil immer noch auf die 1974 vom SPD-Senat versprochene Schnellbahnanbindung wartet“, so Bachteler. Anders als bei der U-Bahn laufen bei der Schule seit einigen Monaten die Bauarbeiten.

Dass die schlechte Nachricht der Schulbauverzögerung ausgerechnet zur 50-Jahr-Feier des Osdorfer Borns bekannt wurde, konnte die Stimmung zwar dämpfen, das Festprogramm bewies nicht zuletzt mit einer „Westwind“-Sonderausgabe wie viel sich gerade kulturell im Stadtteil tut. Bachteler selbst steht gelegentlich auf der Bühne des Bürgerhauses, wo er Gedichte zur Pianobegleitung vorträgt oder in der Bücherhalle von einer Radtour nach Moskau berichtet. „Es tut sich eine Menge Positives im Stadtteil“, fasst der leidenschaftliche Radfahrer zusammen.

Die Leser der „Hamburger Morgenpost“ bekamen davon im Jubiläumsjahr wenig mit. Der Besuch eines langjährigen Bewohners, der schilderte wie gerne er in der grünen Großsiedlung lebt, kam nicht ohne sattsam bekannte Klischees der „trostlosen Betonwüste“ aus. Als Stadtteillobbyist Frieder Bachteler daraufhin in der Redaktion der „Mopo“ anrief, wurde er abgebügelt. Er hat daraufhin eine schöne Überschrift im „Westwind“, Hamburgs bestem ehrenamtlich gemachtem Stadtteilmagazin, veröffentlicht: „Osdorf sehen und staunen.“

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