Übergabe nach 29 Jahren: Franziska Meyer (li.) zeigt die vergessene Grubenlampe. Neue Wirtsleute sind Andrea Michalak (re.) und ihr Sohn Christian. Foto: nk

Niels Kreller, Harburg
29 Jahre lang haben Franziska Meyer (70) ihr Ehemann und Uwe (80) die historische „Gaststätte zur Altstadt“ in der Neuen Straße in Harburg geführt. 29 Jahre, in denen sie werktags schon um 6.30 Uhr aufschlossen, um für die Marktbeschicker Kaffee, Brötchen und Rührei vorzubereiten. Und dann bis spät in die Nacht für ihre Gäste da waren.

Henry Vahl schaute hin und wieder vorbei

Die Entscheidung, die Gaststätte zu übernehmen, kam für die Meyers 1987 recht spontan. „Der Vorbesitzer Holger Feldhan wollte nicht mehr – und da haben wir das halt weitergemacht“, erinnert sich Franziska Meyer. Zuerst übernahm die gebürtige Reinbekerin allein, denn Ehemann Uwe hatte noch einen anderen Job. Die Gastronomie kannte sie schon ihr ganzes Leben lang, die Altstadtgaststätte war ihr als Bedienung vertraut.

Bald feiert die urige Gaststätte 100. Geburtstag. Im Gastraum haben die Meyers im Großen und Ganzen nicht viel verändert: An den Wänden hängen historische Stücke, die zum Großteil vom Vor-Vor-Besitzer Bertold Jenner stammen: Weit über 100 Bierkrüge hängen an der Decke, alte Fotografien zeigen, wie Harburg früher ausgesehen hat: Zwei Fotos vom Vogelschießen-Umzug aus dem Jahr 1962 findet man ebenso wie Gemälde des Schwarzenbergs aus dem 19. Jahrhundert – noch mit dem Schützenpark, dem Heim der Harburger Schützengilde. Ganzer Stolz aber ist die vollständige „Harburg-Sammlung“ an historischen Wandtellern.

Einmal, so erinnert sich Franziska Meyer, es war wohl gleich nachdem sie die Gaststätte übernommen hatte, wollte ein Seemann unbedingt eine alte Grubenlampe kaufen. Tagelang bekniete er die Wirtin, die die Lampe zuerst nicht hergeben wollte. Doch sie gab schließlich nach, und der Seemann leistete eine Anzahlung von 150 D-Mark. Aber als er „reichlich angetüdert“ ging, vergaß er die Lampe, kam nie wieder.

Gerne erinnert Franziska Meyer sich an den Ohnsorg-Schauspieler Henry Vahl. Der schaute ab und zu in der Gaststätte vorbei. Ein Foto von 1975 zeugt davon. Überhaupt: In diesen Räumen ist Harburger Geschichte nicht nur an den Wänden zu sehen, sondern viele der Gäste können aus eigener Erinnerung Interessantes berichten.

Auch wenn für die Wirtsleute Meyer jetzt Schluss ist: Die Gaststätte zur Altstadt bleibt erhalten. Andrea Michalak (53) und ihr Sohn Christian führen das Lokal weiter. Die beiden Meyers wollen erstmal an die Nordsee verreisen – und endlich „auch mal Faulenzen“. In der Gaststätte werden sie aber regelmäßig vorbeischauen – zum Beispiel zu ihrer Knobelrunde.

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