Es bleibt in der Familie: Schornsteinfeger-Meisterin Annette Trieb (l.) mit ihrer Tochter Carolin, die auch Schornsteinfegerin ist. Foto: sl

SABINE LANGNER, HARBURG
Es sei doch lustig, ein lebendiges Glückssymbol zu sein, findet Annette Trieb. Wenn sie von ihrer Arbeit als Schornsteinfeger-Meisterin erzählt, strahlt sie. Sie könne sich keinen spannenderen Beruf vorstellen: Auf Dächern herumturnen, verschiedene Wohnungen kennenlernen, mit ganz unterschiedlichen Menschen sprechen und interessante technische Berechnungen anstellen, das ist es, was sie mag.

Diese Begeisterung für ihren Beruf hat die 53-Jährige von ihrem Vater geerbt. Auch der war Bezirksschornsteinfeger-Meister. Von klein auf mit allen Facetten des Berufes vertraut, war es für die damals junge Annette keine große Überlegung, was sie werden will, auch wenn sie das einzige Mädchen in ihrer Berufsschulklasse war. „In der Meisterklasse waren wir dann immerhin schon zwei Frauen“, schmunzelt sie.

30 Jahre später hat sich zumindest dieses Verhältnis ein bisschen zugunsten der Schornsteinfegerinnen geändert. Als die beiden Zwillingstöchter von Annette Trieb, Carolin und Christin, jetzt ihre Schornsteinfegerinnen-Ausbildung beendet haben, „waren wir schon sieben Frauen von 70 Teilnehmern“, berichtet Carolin Trieb.

Erst eine Ausbildung zur
Bankkauffrau absolviert

Die 27-jährige hat nach der Schule erst eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert, bevor auch sie von dem Schornsteinfeger-Virus erfasst wurde. „Bank war mir auf Dauer zu langweilig. Meine Zwillingsschwester hat erst Chemielaborantin gelernt und sich vor zwei Jahren dann entschieden, noch eine Ausbildung als Schornsteinfegerin zu machen. Christin studiert jetzt allerdings. Ich werde im Herbst mit der Meisterschule anfangen und träume davon, später einen eigenen Bezirk zu übernehmen.“

Angst, dass es in der Familie Trieb mal langweilig werden könnte, hat keiner. Schließlich ist auch der Ehemann von Annette Trieb Schornsteinfeger mit einem eigenen Bezirk. „Wenn es mal eng wird, helfen wir uns gegenseitig aus“, sagt Annette Trieb.

Und die Sache mit dem Glückssymbol können die Trieb-Damen auch erklären. Wenn Kamine nicht regelmäßig gesäubert werden, kann der Ruß darin Feuer fangen. „In früheren Zeiten sind ganze Häuser auf diese Weise abgebrannt“, berichtet Carolin Trieb. „Wir schützen also vor Bränden. Auch wenn heute die Hälfte der Arbeit darin besteht, Energieausweise für Gebäude zu errechnen.“

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