Große Lust zu organisieren: Homayoon Pardis im Eidelstedter Bürgerhaus. Foto: mg

Von Matthias Greulich. Jetzt lässt es dem jungen Mann keine Ruhe: Wie heißt die App noch mal, mit der Homayoon Pardis Radio hört? Nach einigen schnellen Wischbewegungen auf seinem Handy hat er sie gefunden. „Die Nachrichten im Deutschlandfunk verstehe ich gut, bei anderen Sachen ist es manchmal noch schwierig“, sagt er, als wir uns im Café des Eidelstedter Bürgerhauses treffen.

Der 32-Jährige arbeitet nur einige Türen weiter, im Büro des Veranstaltungszentrums absolviert er den Bundesfreiwilligendienst. Dank eines Sonderprogramms des Bundes ist das Programm seit Ende 2015 offen für Flüchtlinge „mit Bleibeperspektive“. Homayoon ist einer von rund 500 Afghanen bundesweit, die freiwillig in sozialen Einrichtungen mitarbeiten.

Hamburg ist unsere Stadt,
Homayoon Pardis

Er hilft dabei, Veranstaltungen im Eidelstedter Bürgerhaus zu organisieren, schreibt E-Mails und freut sich, wenn er im Büro etwas auf die Beine stellen kann.
Im Januar 2016 war Pardis zum ersten Mal in Eidelstedt – in einem Container in der Erstaufnahme am Hörgensweg. Sechs Wochen lang lebte er mit Ehefrau Nadia und Tochter Parnian auf engstem Raum. Es folgten Unterkünfte in Fuhlsbüttel und Fischbek, ehe die Familie das große Los zog. „Unsere Deutschlehrerin Barbara hat uns geholfen, eine Wohnung in Eimsbüttel zu finden“, so Pardis.


Ankunft am Hörgensweg, Wohnung in Eimsbüttel

Für die junge Familie steht in dieser Woche ein bedeutender Termin an: Die inzwischen sechsjährige Parnian wird an der Schule Eduardstraße eingeschult. „Sie ging dort auch schon zur Vorschule und kennt dort alles“, sagt der stolze Vater.

Nadia Pardis hat die meisten ihrer deutschen Freundinnen auf dem benachbarten Spielplatz kennengelernt. Die Familien laden sich seitdem gegenseitig von Zeit zu Zeit zum Essen ein. „Wir haben Kartoffeln und Spargel probiert“, so Homayoon Pardis.

Seine Frau hat in Afghanistan Geschichte studiert und hofft darauf, dass ihr Hochschulabschluss in Deutschland anerkannt wird. Sie möchte später als Lehrerin oder Erzieherin arbeiten. Das Diplom von Homayoon Pardis in Literatur und Englisch wurde bereits anerkannt.

In Afghanistan öffneten ihm seine Englischkenntnisse die Tür zu den besten Jobs. Sieben Jahre arbeitete er als Projektmanager und Übersetzer in Herat, der zweitgrößten Stadt des Landes für die Internationale Organisation für Migration (IOM). Im einst von den Taliban beherrschten Gebiet will die IOM für Frieden und Stabilität sorgen.

„Wir haben mit den Menschen gesprochen und sie ermutigt, ihre Kinder in die neu erbauten Schulen zu schicken.“ Die Übersetzer gerieten durch die Arbeit in den Fokus der Taliban. „Wir haben einen Brief bekommen, in dem unsere Entführung angekündigt wurde.“

Die Familie entschloss sich zur Flucht. Zum Ende des Jahres 2015 flogen sie nach Istanbul, kamen anschließend über Griechenland nach Deutschland, wo sie inzwischen als Flüchtlinge anerkannt wurden.

Homayoon Pardis zielstrebig zu nennen, wäre eine ziemliche Untertreibung. Der umtriebige „Bufdi“ liest regelmäßig in der Zeitschrift „Deutsch Perfekt“, um sich weiter zu bilden. Die Zeitschrift hat er in der Zentralbibliothek bekommen, wo er seinen Freiwilligendienst im Januar zunächst begonnen hatte.

„Ich wollte aber mehr Aufgaben übernehmen“. Pardis wechselte ins Eidelstedter Bürgerhaus, wo er mithilft, Veranstaltungen zu organisieren und die Website sowie den Facebook- und Instagram-Account betreut.

Wie sehr die Familie inzwischen Wurzeln geschlagen hat, wurde ihnen bewusst, als sie in den Sommerferien Freunde in Dänemark besuchten. „Wir haben Hamburg vermisst, das ist unsere Stadt“, sagt Homayoon Pardis.

Während das Land über ein verpflichtendes Soziales Jahr für junge Erwachsene streitet, hat Honaymoon Pardis im Urlaub gehandelt. Er hat in der Zentralbibliothek aus freien Stücken eine Woche persische Bücher katalogisiert. „Das habe ich gerne gemacht“, sagt er.

    Bufdi-Programm

Die Bundesregierung will das Flüchtlingssonderprogramm im Bundesfreiwilligendienst mit Tausenden Plätzen und jährlichen Mitteln von rund 40 Millionen Euro nicht über die bis Jahresende laufende Frist hinaus verlängern.
Der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs sprach sich bei einem Besuch bei „Hanseatic Help“ in Altona für die Verlängerung des Programms aus. „Das ist sinnvoll“, sagte er. Die Erfahrungen seien positiv, die Integration der Teilnehmer klappe gut.
Die „Bufdis“ erhalten ein Taschengeld von 200 Euro monatlich. MG

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