Informationen zum Thema „Schockanrufe“ hat die Polizei in einem Flyer zusammengefasst, der auch bei 800 Hausärzten ausliegt und auf Wochenmärkten verteilt wurde. Grafik: polizei Hamburg

Olaf Zimmermann, Hamburg
Betrüger probieren auf unterschiedlichste Art und Weise insbesondere ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Der „Enkeltrick“ oder das Phänomen der „falschen Handwerker“ sind den meisten Menschen bekannt. Inzwischen warnt die Hamburger Polizei vor Banden, die Senioren per Telefon abzocken. Die Täter versuchen, ihre Opfer zum Abheben von größeren Geldbeträgen zu veranlassen.

Wie gehen die Betrüger vor?
Senioren erhalten – meist aus Callcentern aus dem Ausland – Anrufe von angeblichen Polizisten oder Staatsanwälten. So wird der Vertrauensvorschuss, der bei diesen Berufsgruppen insbesondere noch bei älteren Mitbürgern vorhanden ist, genutzt. Dann fallen Sätze wie:

– „Sie stehen auf einer Liste von geplanten Einbrüchen“,
– „Auch ihr Geld auf der Bank und die Wertgegenstände im Tresor sind nicht sicher. Bankmitarbeiter sind an den kriminellen Vorgängen beteiligt. Sogar der örtlichen Polizei ist nicht zu trauen“,
– „Heben Sie eine hohe Summe Bargeld ab, wir müssen prüfen, ob es sich um Falschgeld handelt“.

„Besonders perfide ist, dass die Täter ihre Opfer jetzt auch immer wieder mit emotional belastenden Situationen konfrontieren“, berichtet Polizeisprecherin Heike Uhde. „Bei diesen Schockanrufen geben sich die Täter am Telefon als Polizeibeamte aus und und behaupten beispielsweise, ein Familienmitglied habe einen schweren Verkehrsunfall gehabt und müsse nun operiert werden. Das sei aber nur möglich, wenn entsprechende Geldmittel hinterlegt würden.“ Ein Abholer für das Geld sei bereits unterwegs.

Heike Uhde: „Wir haben Fälle gehabt, bei denen weinende Frauen im Hintergrund zu hören waren. Eine akustische Untermalung, die den Angerufenen zusätzlich unter Stress setzen sollte.“

Wie haben sich die Fallzahlen dieser Betrugsmasche entwickelt?
Im Jahr 2016 wurden in Hamburg rund 600 Fälle bekannt, 2017 waren es bereits knapp 2.100. In 2018 wurden (Stand 12, Juni) bereits 1.030 Callcenter-Anrufe und 166 Schock-Anrufe registriert. Experten rechnen allerdings mit einer hohen Dunkelziffer.

WICHTIG: Die richtige Polizei wird niemals dazu auffordern, Geld von der Bank abzuheben, es zu Hause zu deponieren oder an einen vermeintlichen Polizisten zu übergeben! Selbst dem Display des Telefons kann man nicht trauen. Betrüger können mit Hilfe so genannter Spoofing-Dienste die Anzeige fälschen.

Die Polizei Hamburg bietet zum Thema „Betrüger am Telefon“ kostenlose Beratungen an:
Tel. 428 67 07 77, Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle, Caffamacherreihe 4.

 

Tipps der Polizei

– Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und nehmen Sie sich Zeit, die Anrufe zu überdenken. Können diese Geschichten wirklich stimmen?

– Wenden Sie sich an eine Person Ihres Vertrauens und erzählen Sie ihr von den Anrufen, egal welche Anweisungen Sie vom Anrufer erhalten haben.

– Wählen Sie die 110 oder eine andere selbst recherchierte Polizeinummer und sprechen Sie mit der richtigen Polizei.

– Lassen Sie sich nur mit abgekürztem Vornamen ins Telefonbuch eintragen, da die Täter nach „altmodisch“ klingenden Namen suchen.

– Die Polizei erfragt KEINE Bankdaten wie Kontonummer, Kontostand oder Inhalt des Schließfachs. Auch fragt sie nicht nach Verstecken von Wertsachen bei Ihnen zu Haus.

– Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit!

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