43-jähriger Ausnahmeathlet: Philippe Geuer aus Lurup. Foto: cvs

Von Christopher von Savigny. Philippe Geuer sieht aus, wie man sich einen Hochleistungssportler vorstellt: schlank, durchtrainiert, kein Gramm zuviel am Körper. Vor fünf Jahren hätte man den Luruper, der damals noch in Köln lebte, womöglich gar nicht wiedererkannt: Kurz zuvor war der leidenschaftliche Triathlet und Extremschwimmer beim Fahrradtraining unverschuldet in die Windschutzscheibe eines Autos gekracht. Die Diagnose: Linke Schulter kaputt, sämtliche Sehnen und Muskeln abgerissen. Nur knapp kam er mit dem Leben davon.

Ich erzähle das auch, damit andere, denen es ähnlich ergangen ist, wieder Mut fassen

Phlippe Geuer

Der Körper wurde wieder heil, die Seele nicht: „Ich bin in Depressionen verfallen und habe 28 Kilo zugenommen“, berichtet Geuer. Seine über die Jahre aufgebaute Form zu verlieren, sei das Schlimmste gewesen, was ihm passieren konnte. Regelrecht eingeigelt habe er sich, sei kaum noch vor die Tür gegangen – bis er schließlich therapeutische Hilfe in Anspruch nahm. „Ich erzähle das auch, damit andere, denen es vielleicht ähnlich ergangen ist, wieder Mut fassen“, so Geuer.

Mit mittlerweile 43 Jahren will der Ausnahmesportler jetzt nochmal so richtig durchstarten: Anfang September nimmt er an den Masters-Europameisterschaften im Freiwasserschwimmen teil. Austragungsort ist Slowenien.

Seit vergangenem Dezember trainiert er dafür mehrmals täglich im Schwimmbad des SV Poseidon am Olloweg. Sein Pensum liegt bei durchschnittlich 60 Kilometern pro Woche – und damit gar nicht weit weg von dem, was Open-Water-Profis wöchentlich zurücklegen. Für die Wettbewerbsstrecke von fünf Kilometern will er nicht länger als eine Stunde brauchen. „Danach entscheide ich, ob ich weitermache“, sagt er.

Vor seinem Unfall war das Schwimmbecken Philippe Geuers zweite Heimat: Für einen Spendenaktion schwamm er zusammen mit einem Freund 110 Kilometer den Rhein hinunter. Er durchquerte den Zürichsee (30 Kilometer) und nahm am Ärmelkanalschwimmen teil. Seiner Leidenschaft ist er treu geblieben, obwohl er nach dem Unfall kaum noch Gefühl im Arm hat. „Es ist so, als hätte man Frischhaltefolie um die Haut gewickelt“, sagt er.

Spaß haben ist nach wie vor das wichtigste am Sport, findet Geuer. Seine Faszination fürs Schwimmen gibt er auch als Trainer für Triathleten weiter. Wobei es ihm weniger auf Schnelligkeit als auf eine möglichst kraftsparende Wasserlage ankommt. „Wenn man schon platt aus dem Wasser kommt, macht der restliche Triathlon erst recht keinen Spaß mehr.“

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