Oberbaudirektor Franz-Josef Höing vor einer Luftaufnahme einer Stadt, die kräftig wächst. Foto: stahlpress

Volker Stahl, Hamburg
Franz-Josef Höing weiß, was ihn erwartet und was von ihm erwartet wird: „Hamburg hat in Deutschland das Tempo vorgegeben bei der Stadtwicklung, nicht zuletzt durch die IBA, bei der das Thema auf hohem Niveau diskutiert wurde. Deshalb empfinde ich es als Glück und Privileg, nach Hamburg zurück-zukommen.“ Die Hansestadt kennt der 1965 in der münsterländischen Glockenstadt Gescher Geborene aus den Jahren von 2000 bis 2004, als er persönlicher Referent seines Amtsvorgängers Jörn Walter war und ab 2003 als Leiter der Projektgruppe HafenCity fungierte. ​

Hobbys? Ich
kann nicht mit
Fallschirmspringen oder schnellen
Motorrädern
aufwarten
Franz-Josef Höing,
Oberbaudrektor

„Mit Franz-Josef Höing haben wir einen ausgesprochen qualifizierten Planer gewinnen können, der über eine umfangreiche Expertise als freier Stadtplaner, in der Wissenschaft und in der planenden Verwaltung verfügt und zudem Hamburg sehr gut kennt“, verteilte die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen Dorothee Stapelfeldt (SPD) reichlich Vorschusslorbeeren. 2017 hatte sich eine siebenköpfige Auswahlkommission unter Vorsitz der Senatorin einstimmig für den damaligen Dezernenten für Stadtentwicklung, Planen und Bauen der Stadt Köln als neuen Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg entschieden.

Nach fünf Jahren in Köln trat Höing im Frühjahr in die großen Fußstapfen, die vor ihm Fritz Schumacher, Werner Hebebrand, Klaus Müller-Ibold, Egbert Kossak und sein ehemaliger Chef Jörn Walter im Hamburger Stadtbild hinterlassen haben. „Sie waren zwar keine Patriarchen, aber auch keine braven Verwaltungsbeamten“, sagt Höing und liefert seine Jobbeschreibung nach: „Oberbaudirektoren sind Instanzen, an denen man sich reiben kann, Figuren, die die Geschicke und die Gestalt einer Stadt mitprägen. Aber sie müssen sich auch um die Schönheit dieser Stadt kümmern, aufpassen, dass es nicht nur um Quantität geht, sondern um Architektur- und Freiraumqualität.“ Sie müssten auch mit einer gewissen Vehemenz auftreten, Lust auf gewisse Dinge machen und Überzeugungskraft haben. Und wie sieht er sich? „Na, ich denke, da hat sich das Stellenprofil im Vergleich zu Zeiten von Kossak und Walter nicht geändert. Man hat nach wie vor eine gestaltende Rolle.“

Und in Hamburg gibt es reichlich zu tun. Da liegt die Frage nahe, welche Akzente er setzen will. „Die bisher geplanten Flächen sind weit gediehen. Aber die Stadt wird weiter vehement wachsen. Deshalb werden wir uns auch wieder den Rändern Hamburgs zuwenden müssen“, antwortet Höing und verweist auf Oberbillwerder, wo die Stadt den Mut habe, vis-à-vis Allermöhe einen neuen Stadtteil mit bis zu 7.000 Wohnungen und bis zu 5.000 Arbeitsplätzen entstehen zu lassen. „Da warten neue Aufgaben, an die man sich lange Zeit nicht herangetraut hat.“

Als weiteres wichtiges Thema nennt Höing den Wohnungsbau entlang der „Magistralen“, der großstädtischen Hauptverkehrsstraßen: „Dort gibt es Potenziale. Wir werden das Bauen forcieren, konkrete Flächen in den Fokus nehmen und gucken: Welche Möglichkeiten bieten sich dort.“ Wenn man es geschickt anstelle, könne man auch an lauten Hauptverkehrsstraßen Wohnraum von sehr hoher Qualität umsetzen, ist sich der Stadtplaner sicher. „Man braucht aber einen langen Atem, weil der Stadt an diesen Stellen nicht allzu viele Flächen gehören.“ Magistralen böten „nennenswerte Potenziale“, die sich im Schaffen neuer Wohnungen noch nicht erschöpften, betont Höing: „Das können auch Orte sein, wo sich Gewerbe entwickelt.“

Franz-Josef Höing ist studierter Diplomingenieur und war von 1992 bis 2000 als freiberuflicher Stadtplaner, ab 1994 bis 2000 als Hochschulassistent zunächst an der TU Wien, später an der RWTH Aachen tätig. Anschließend folgte der Abstecher nach Hamburg. Von 2004 bis 2008 hatte er eine Professur für Städtebau an der msa – münster school of architecture inne. Im Anschluss war er von 2008 bis 2012 Senatsbaudirektor der Freien und Hansestadt Bremen, dann ging er nach Köln. Höing lebt in St. Georg, weil er dort zufällig eine kleine Wohnung gefunden hat: „Ich führe ein unstetes Leben, arbeite oft bis sehr spät. Die Lage ist zentral, die Anbindung perfekt. Deshalb bin ich dort sehr zufrieden.“


„Man kann diese Aufgabe nur mit Leidenschaft bewältigen“

Auf die Frage nach seinen Hobbys reagiert er zunächst verhalten: „Ich kann nicht mit Fallschirmspringen aufwarten, fahre kein schnelles Motorrad. Aber ich lese gerne ein gutes Buch.“ Zuletzt eine Biografie des Philosophen Albert Camus. Außerdem mag er amerikanische Schriftsteller und hört gerne Jazzplatten. Viel Freizeit bleibe aber nicht, sagt Höing: „Ich habe einen Job, in den man viel Zeit investieren muss. Man kann diese Aufgabe nur mit Leidenschaft bewältigen – oder bleibt gleich zuhause.“ Lieber „reist“ er durch die Stadtteile und bewegt sich an den „Außenkonturen“ Hamburgs. „Dort gibt es viele interessante Orte, die keine Postkartenqualität haben, jedoch unglaublich interessante Landschafträume und große Parks bieten, die diese Stadt prägen.“

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