Eine einzige Ratte ist ja noch ganz possierlich, aber in Massen werden sie in der Stadt für die Bewohner zur Plage. Foto: panthermedia

Ch. v. Savigny, St.Pauli/Altona
Eine Invasion von Nagern beim Picknick auf dem Rasen brachte das Fass zum Überlaufen: „Das war echt zuviel“, stöhnt Michael Osha, Anwohner der Königstraße. Seit mehreren Wochen leidet der Gegend rund um die Trinitatiskirche unter einem massiven Rattenproblem. Überall werden die umtriebigen Nager gesichtet: neben Mülltonnen, auf Spielplätzen, im Blumenbeet. Und sie werden immer frecher: „Unseren Kleinen haben sie tatsächlich versucht, das Essen zu stehlen“, berichtet der Vater zweier Kinder (acht und zehn Jahre). Seitdem dürfe der Nachwuchs nicht mehr draußen picknicken. Anderen Eltern ginge es offenbar ähnlich: „Der Spielplatz, der zum Haus gehört, wird kaum noch benutzt“, hat Osha festgestellt.

Viele Bewohner scheinen ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben – oder sogar noch schlimmere: „Meinem Nachbarn ist eine Ratte ins Gesicht gesprungen“, sagt eine Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Am Vermieter könne man das Problem jedenfalls nicht festmachen: Die Altoba (Altonaer Spar- und Bauverein, d. Red.), zuständig für etliche Wohnungen in der Königstraße, stelle regelmäßig Fallen auf und reinige die Grundstücke von Unrat. Anders dagegen die Lage in den Parks nebenan: „Zu viel Müll in den Gebüschen, Touristen aus St. Pauli schmeißen ihre Essensreste einfach ins Gras“, ärgert sich Osha.

Zuständig für das Thema Ratten ist in Hamburg das Institut für Hygiene und Umwelt, das der Gesundheitsbehörde (BGV) unterstellt ist. „Uns ist das Problem in dem benannten Bereich bekannt“, sagt BGV-Sprecher Roland Ahrendt. Man habe bereits angefangen, auf öffentlichem Grund Köderboxen aufzustellen. „Das Gift wird so ausgebracht, dass zum Beispiel Kinder oder Haustiere wie Hunde und Katzen nicht drankommen können.“ Auch für Ahrendt ist Müll das Hauptproblem.
Sein Appell an die Bevölkerung: Mülltonnen geschlossen halten, Lebensmittelreste sachgemäß entsorgen, auf Vogelfütterung im Freien verzichten.

Die Zahlen
Die Gesundheitsbehörde geht nicht von einer Zunahme der Rattenpopulation aus: So seien im vergangenen Jahr 1.578 Rattensichtungen in Hamburg gemeldet worden, in den ersten fünf
Monaten 2018 gab es demnach 634 Fälle. Der mit Abstand am meisten betroffene Bezirk ist Wandsbek (2017: 446 Fälle), Hamburg-Mitte und Altona liegen mit 255 beziehungsweise 190 Fällen auf den Plätzen drei und vier (nach Hamburg-Nord). In der Hansestadt gilt eine sogenannte „Rattenverordnung“, nach der Ratten oder ihre Spuren unverzüglich zu melden sind. Infos im Internet unter
❱❱ https://www.hamburg.de/ratten

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