Die nördliche Halle der Zinnwerke wird für Flohmärkte und ähnliches genutzt. Für einen dauerhaften Betrieb ist ein – mindestens 800.000 Euro teurer – Umbau nötig. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg
Unter dem Slogan „Leinen los am Kulturkanal“ hat die Bezirksversammlung (BV) Mitte auf Antrag von SPD und Grünen 60.000 Euro aus dem BV-Fonds für die Zinnwerke bereitgestellt. Auf die Weise soll die Zukunft des vor rund sieben Jahren am Veringkanal eröffneten Kulturzentrums sichergestellt werden. „Die Finanzierung eines tragfähigen Konzeptes ist der erste Schritt, um für den Standort eine stabile Grundlage zu schaffen“, sagt Michael Osterburg, Fraktionschef der Bezirks-Grünen.
Um die Belange der Zinnwerke kümmert sich seit knapp vier Jahren die Kreativ Gesellschaft Hamburg, ein städtisches Unternehmen, das der Kulturbehörde unterstellt ist. Die nördliche der beiden Hallen wird unter anderem für kulturelle Veranstaltungen, Foto-shootings und ähnliches mehr vermietet. Alle vier Wochen findet ein Flohmarkt („Flohzinn“) statt. Jedoch ist die Sicherheit der Besucher nicht gewährleistet, da es kaum Brandschutz geschweige denn Fluchtwege gibt. „Wenn da mal ein Brand ausbricht, dann wird es richtig gefährlich“, warnt Egbert Rühl, Geschäftsführer der Kreativ Gesellschaft.

Umbau kostet mindestens 800.000 Euro

Aus dem Grund soll nun ein Gesamtkonzept her, das den nachhaltigen Betrieb der Hallen ermöglichen würde. Auf 800.000 Euro schätzt Rühl die Kosten für einen zumindest vorläufigen Umbau. Allerdings habe die Politik bereits signalisiert, in dem Fall lieber gleich Nägel mit Köpfen machen zu wollen. Sprich: Lieber mehr Geld ausgeben und dafür die Zinnwerke von Grund auf sanieren. „Dann wird es natürlich teurer“, so Rühl. Mit dem Bezirksamt Mitte hat die Kreativ Gesellschaft bereits eine temporäre Nutzungsänderung – gültig für einen Zeitraum von fünf Jahren – vereinbaren können. „Die Genehmigung liegt uns vor“, sagt Rühl.
Wenig hört man in letzter Zeit zum Thema „Kulturkanal“. Links und rechts des Veringkanals hatte der damalige Bezirksamtsleiter (und heutige Innensenator) Andy Grote Theater, Kinos und Musikclubs ansiedeln wollen – getan hat sich allerdings nicht viel. Die Beteiligten gewöhnen sich jetzt daran, kleinere Brötchen zu backen: „Anstatt uns mit einem vagen Gesamtkonzept auseinanderzusetzen, suchen wir uns lieber Einzelmaßnahmen wie die Zinnwerke ‘raus“, sagt Arik Willner (SPD Mitte). „Da haben wir konkretere Möglichkeiten.“

So wächst der Kulturkanal
Vor vier Jahren wurde die Idee des Kulturkanals geboren. Allerdings entwickelt sich die Szene am Kanal auch ohne äußeres Zutun: In einem ehemaligen Supermarktgebäude wollen Künstler eine Bühne eröffnen („Theater am Kulturkanal“), auf der anderen Kanalseite war – zumindest eine Zeit lang – der Musik- und Tanzschuppen „Soul Kitchen“ in Betrieb. In das von der Internationalen Bauausstellung finanzierte „Atelierhaus 23“ (Am Veringhof 23) zogen vor etwa fünf Jahren Maler, Fotografen, Bildhauer und Architekten ein. Wichtigster Anlaufpunkt am Veringkanal ist jedoch seit fast 40 Jahren das Kulturzentrum Honigfabrik cvs

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